Mit Michael Göbel verzeichnet SPD-Fraktion den dritten Austritt in einem Jahr

Frustriert von den Genossen

Rückzug: Michael Göbel ist aus der SPD ausgetreten und künftig nicht mehr in der Stadtverordnetenversammlung vertreten. Foto: Michaelis

Witzenhausen. In die letzte Reihe zu den anderen, die aus der SPD-Fraktion ausgetreten sind, will sich Michael Göbel nicht setzen. Nach seinem Rückzug aus der Partei legt er auch sein Stadtverordneten-Mandat nieder. Göbel ist nach Dr. Bernd Iben und Michael Schulz der dritte Stadtverordnete, den die Witzenhäuser SPD-Fraktion innerhalb eines Jahres verliert.

Als Gründe für den Rückzug nennt Göbel Frust über die Bundes- und Landespolitik der Partei, in der er immerhin 23 Jahre lang Mitglied gewesen ist. Ihm widerstrebe, dass der deutsche Steuerzahler nach Vorstellung der SPD eine unbegrenzte Haftung für Euro-Krisen-Länder übernehmen soll. Auch an der Bürgerversicherung stört sich Göbel.

„Kocht schon lange in mir“

Diese Punkte haben „schon lange in mir gekocht“. Den Ausschlag für seinen Rückzug gaben aber lokale Vorkommnisse. Die Fraktion in der Witzenhäuser Stadtverordnetenversammlung nennt Göbel „zerstritten in drei Lager“, die sich im Wesentlichen mit Personaldebatten aufhielten.

Ein Lager unterstütze Otto Baumann, nachdem dieser wegen seines Umgangs mit mutmaßlichen Rechtsextremen in der Kritik stand. Die beiden anderen Lager seien „Anti-Baumann“ und stünden jeweils hinter Margarete Koschel-Naahs und Hendrik Elkenhans, die sich beide erfolglos als Ersatz für Landtagskandidat Lothar Quanz beworben hatten. „Man kann der Fraktion nur wünschen, dass sie endlich mal wieder inhaltlich arbeitet und sich auf den Koalitionsvertrag mit den Grünen konzentriert“, sagt Göbel.

Noch dazu widere ihn der Umgang der Kreis-SPD mit Koschel-Naahs beim Parteitag an. „So geht man menschlich nicht miteinander um“, sagt Göbel. „Das gehört sich nicht, das ist unterstes Niveau.“ Koschel-Naahs hatte angekündigt, als Unterbezirksvorsitzende zu kandidieren, bekam dann mit Karina Fissmann kurzfristig eine Gegenkandidatin. Darüber war Koschel-Naahs nicht allein überrascht, mehrere Delegierte des Parteitags fühlten sich von der Aktion überrumpelt, die hinter den Kulissen eingefädelt schien.

Wohin es ihn zieht, lässt Göbel offen. Er suche nach „einer neuen politischen Heimat“. Seinen Sitz im Ortsbeirat Dohrenbach werde er behalten. In seiner Freizeit habe er aber auch so genug zu tun, sagt der 45-Jährige, der sein Geld als selbstständiger Finanz- und Versicherungsberater verdient. Göbel steht als Ortsbeauftragter an der Spitze des Technischen Hilfswerks Neu-Eichenberg und er ist Präsident des Arbeitskreises Europäische Jugendwoche auf Burg Ludwigstein. DAS SAGT

Von Claas Michaelis

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