Selbstversuch

Führerscheinprüfung: In der Praxis bestanden, in der Theorie nicht

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Nach fünf Jahren wieder neben einem Fahrlehrer: HNA-Volontär Florian Künemund (rechts) wiederholte bei Wolfgang Brundig simuliert seine Führerscheinprüfung.

Witzenhausen. Wie es sich anfühlt, nach ein paar Jahren die Führerscheinprüfung zu wiederholen, hat Volontär Florian Künemund ausprobiert.

Blinker setzen, Blicke in den Spiegel, über die Schulter sowie in den Kreuzungsbereich. Erst dann Abbiegen. Macht doch jeder - oder nicht? So jedenfalls bringen es Fahrlehrer ihren Schülern bei. Auch Wolfgang Brundig, Inhaber der gleichnamigen Fahrschule in Witzenhausen. Bei ihm wiederhole ich simuliert meine Führerscheinprüfung. Das Ergebnis: Bestanden in der Praxis, durchgefallen in der Theorie. „So würde es vielen gehen. Mit manchen Themen des Fragebogens kommen Autofahrer im Alltag nicht in Kontakt, oder sie kennen Neuerungen in der Straßenverkehrsordnung nicht“, sagt Brundig.

Unter seiner Anleitung fahre ich zunächst von der Stubenstraße aus über die Werrabrücke aus Witzenhausen heraus und steuere Gertenbach an. Das Fahren auf Land- und Bundesstraße inklusive Überholen eines Traktors bereitet mir keine Probleme. Zugegeben: Beim Ein- und Ausscheren mache ich den Schulterblick intensiver als sonst. Oft verlasse ich mich nur auf die Spiegel.

Wieder in Witzenhausen angekommen dirigiert mich Wolfgang Brundig in das Wohngebiet „Siedlung“, um die Kenntnisse von allerlei Vorfahrtsregeln zu testen und, ob ich mich an die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 30 Kilometern pro Stunde halte. Das klappt einwandfrei. Ebenso das Verhalten an der Kreuzung am Schwanenteich. Dort halte ich am Stoppschild und muss direkt daran anschließend auch eine Ampel beachten. „Hier haben viele Fahrschüler Probleme“, sagt Brundig. Ebenso vor der Einfahrt in die Aue Richtung Wendershausen. „Man darf an dieser Stelle nur links abbiegen. Wenn ich nichts sage, wird aber oft der Weg geradeaus genommen, obwohl dieser nur für landwirtschaftliche Fahrzeuge frei ist.“ Nach einer Weile Stadtfahrt parke ich auf dem Parkplatz an der Raiffeisenbank sicher rückwärts ein. „Ich habe nichts zu bemängeln. Nur das Fahren mit einer Hand am Lenkrad und einer auf dem Schaltknüppel würde kein Prüfer gerne sehen“, sagt Brundig. So etwas eigne man sich mit der Zeit einfach an.

Mehr Probleme habe ich, mein theoretisches Wissen abzurufen. 13 Fehlerpunkte sind drei zu viel. Im so genannten „Grundstoff“ - also Fragen, die alle Führerscheinanwärter beantworten müssen - vergesse ich das Kreuz bei der Antwort, dass ich bei einem Verkehrsunfall Beteiligten Namen und Anschrift nennen muss. In den Zusatzfragen für den Autoführschein liege ich dreimal falsch.

Damit, dass man bei Nebel auf der Autobahn und 50 Metern Sicht nur 50 Kilometer pro Stunde fahren darf - ich schätze 70. Zudem weiß ich nicht, dass ich an Bus-Haltestellen halten darf und dass man den Motor aus Umweltgründen nicht im Stand warmlaufen lassen sollte. Hätten Sie’s noch gewusst?

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