Affäre mit Angeklagtem verschwiegen

Grillhütten-Mord: Ehefrau des Opfers schickte die Polizei auf falsche Fährte

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Erschüttert: von links Verteidiger der Nebenklage, Knuth Pfeiffer mit Ina W., Schwester des Opfers und Waldemar B., Vater des Opfers.

Hessisch Lichtenau / Kassel. Keiner der Angeklagten wandte den Blick ab, als ihr mutmaßliches Opfer auf die Leinwand im Gerichtssaal projiziert wurde. Interessiert, nur ein bisschen scheu vielleicht, betrachteten sie die Fotos vom Tatort an der Grillhütte „Waldfrieden" in Hessisch Lichtenau.

Sie sehen die blutüberströmte Leiche ihres Bekannten Waldemar B. Und, in Großaufnahme, den zertrümmerten Schädel.

Allein die Schwester des Toten, die im Mordprozess vor dem Kasseler Landgericht zusammen mit ihrem Vater als Nebenklägerin auftritt, hielt den Anblick nicht aus. Was sie die Hände vors Gesicht schlagen ließ, löste auf der Anklagebank keine erkennbare Reaktion aus. Mit den Fotos wollte sich die Strafkammer zum Prozessauftakt einen Überblick über die allerersten polizeilichen Ermittlungen verschaffen.

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Ein Ehepaar, das frühmorgens auf der Suche nach Kaninchenfutter in den Wald fahren wollte, hatte die Leiche am 9. Juli 2013 entdeckt und die Beamten alarmiert. Um die Identität des Toten zu klären, wählten die Ermittler einen eher unorthodoxen Weg: Sie nahmen den Schlüssel des Mordopfers und probierten ihn auf gut Glück an den Haustüren der nahen Wohnsiedlung aus. Als er zu ihrer Überraschung passte, standen sie unvermittelt der Ehefrau von Waldemar B. gegenüber. Es habe sie erstaunt, wie gefasst und teilnahmslos sie die Mordnachricht aufgenommen habe, berichteten die Polizisten.

Fotos: Suche nach der Tatwaffe

Mord an Grillhütte: Suche nach Tatwaffe

Ihr Gatte, sagte die Frau damals, habe gesoffen, bis zu zehn Flaschen Bier pro Tag plus Jägermeister. Er habe sich nicht um die Familie gekümmert und sei unter Alkohol mehrfach laut und aggressiv geworden.

Von ihrer Affäre mit Alexandr B., dem ältesten Angeklagten, sagte sie dagegen lieber nichts. Stattdessen nannte sie einen Trinkkumpanen ihres Ehemanns als möglichen Täter. Weil sie damit einem Unschuldigen einige Zeit in der Untersuchungshaft bescherte, hat sie sich auch selbst ein Ermittlungsverfahren eingebrockt: wegen falscher Verdächtigung und versuchter Strafvereitelung.

Als Zeugin im Prozess will sie deshalb, so hat sie bereits angekündigt, die Aussage verweigern. Vorgeladen werden soll sie trotzdem. Am Montag wird der Prozess fortgesetzt. (jft)

Video vom Prozessbeginn

Videoaufnahmen kurz nach der Tat

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