Theatralische Lesung bot Einblick in das Leben der berühmten Märchensammler

Grimms wurden lebendig

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Wilhelm und Jacob Grimm auf der Spur: Stefan Becker (links) und Carlo Ghirardelli mit Frau Holle (Marlu Stoffels).

Hessisch Lichtenau. Als Brüder teilten sie alles miteinander: Sie wohnten im gleichen Haus, hatten zusammen vier Kinder – und in den Rollen von Jacob und Wilhelm Grimm sind sie sich unglaublich ähnlich: Carlo Ghirardelli und Stefan Becker lieferten am Sonntagabend ein märchenhaftes Programm im Holleum ab.

Im Grimm-Jahr wird den Gebrüdern mehr Aufmerksamkeit zuteil und so auch den beiden Schauspielern von Spielraum-Theater in Kassel und ihrem Programm „Gestatten Grimm“. Für die Zuschauer im voll besetzten Saal gab es bei der theatralischen Lesung nicht nur einen Einblick in deren Leben, sondern auch in deren brüderliche Dynamik. Während die Schauspieler die Geschichte der berühmten Brüder Revue passieren ließen, flossen auch immer wieder liebevolle, geschwisterliche Sticheleien ein.

Der Zuschauer erfuhr auch detaillierte Beschreibungen von berühmten Persönlichkeiten: dem Messie Clemens Brentano oder dem Frauenzimmer Annette von Droste-Hülshoff. Letztere versetzte Jacob Grimm in solche Rage, dass er eine Abhandlung über Frauen verfasste. „Frauen neigen dazu, beim Spiel zu betrügen, und sie greifen lieber zum schwarzen als zum weißen Brot.“

Niemand verwunderte es nach dieser Tirade, dass er nie heiratete und nur mit dem Kopf schüttelte, als sein Bruder von seinem Dortchen Wild schwärmte. „Wir konnten uns keine Frau für den Haushalt leisten, deshalb entschloss ich mich zu heiraten“, erzählte Wilhelm mit einem stolzen Lächeln.

Wie viele Flöhe in Perücke?

Das gesamte Leben standen ihre zwei Schreibtische nebeneinander oder jedenfalls in benachbarten Zimmern. Von der Kindheit bis zum Lebensabend erzählten die beiden Schauspieler über die Gebrüder. Neben schaurigen, satirischen und gänzlich unbekannten Märchen wie „Die Unke“ oder „Läuschen und Flöhchen“ gab es auch diverse Weisheiten. „Wissen Sie, wie viele Flöhe in der Perücke des Kurfürsten hausen? Oder kennen Sie die aus Elfenbein geschnitzten Flohfallen?“, fragte Wilhelm Grimm die Zuschauer, der die Einheimischen aber auch mit Anekdoten erheiterte: „Mit seinen kleinen Gassen ist das Hessisch Lichtenau dem Paris schon sehr ähnlich.“

Man erfuhr auch einiges über die Wege. wie die beiden Brüder an ihre Märchen kamen. Von Johann Friedrich Krause bekamen sie ein Märchen zum Preis eines abgelegten Beinkleids – für Wilhelm Grimm ein Schnäppchen.

Von Christiane Geier

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