Tödliche Falle

Grünschnitt tötet Schafe: Sieben Tiere fraßen Gartenabfälle und starben

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Besorgt: Schäfer Burkhard Ernst mit seinen Hütehunden Kulli (links) und Käthe sowie einer 350 Tiere umfassenden Herde. Mit den Rhön- und Coburger-Schafen schützt er unter anderem Flächen im FFH-Gebiet vor Verbuschung.

Gut Giesenhagen. Falsch entsorgte Gartenabfälle können für Tiere zur tödlichen Falle werden. „In der vergangenen Woche sind sieben meiner Schafe gestorben, weil sie Gras- und Heckenschnitt gefressen haben", berichtet Burkhard Ernst vom Gut Giesenhagen bei Großalmerode.

Der Biolandwirt und Schäfer beweidet mit seinen 600 Mutterschafen 240 Hektar - meist städtische Flächen - rund um Großalmerode, Rommerode, Epterode, Friedrichsbrück und Walburg. Nach dem Tod der Schafe appelliert er nun an das Bewusstsein der Bevölkerung und hofft, dass Gartenbesitzer ihre Abfälle künftig nicht mehr in der Landschaft entsorgen.

Auch beim Werra-Meißner-Kreis ist das Problem bekannt. Obwohl die Abfallberatung des Kreises die illegale Entsorgung schon mehrfach thematisiert hat, werfen immer noch viele Gartenbesitzer ihre Bioabfälle, Rasen- und Heckenschnitt in die Landschaft. Frei nach dem Motto „Grünschnitt kann doch überall hin“, werden die Apelle des Umweltdezernenten Rainer Wallmann und der Abfallberaterin Gabriele Maxisch ignoriert.

Dabei ist nach Angaben des Kreises wissenschaftlich belegt, dass Grünschnitt eine große Gefahr für Weidetiere darstellt. Erst kürzlich waren 18 Pferde in Thüringen durch illegale Biomüllentsorgung verendet. Heckenschnitt, wie etwa von der Thuja, sei giftig für Schafe, Ziegen, Pferde und Kühe.

Illegal: Burkhard Ernst steht vor einem Haufen mit Heckenschnitt.

Aber nicht nur Heckenschnitt kann zur tödlichen Gefahr für Weidetiere werden. So könnten Gärprozesse beim Rasenschnitt zur Schädigung des Verdauungstraktes und somit zum Tod führen. „Die Tiere blähen auf, ihre Gefäße platzen und sie verbluten innerlich“, erklärt Ernst, der mit seinen Rhönschafen und Coburger Schafen extensive Weidehaltung in FFH-Gebieten (Flora-und-Fauna-Habitate) betreibt. Auch Großalmerodes Bürgermeister Andreas Nickel (SPD) ist das Problem bekannt: „Wer Rasen- und Heckenschnitt nicht in der Biotonne sammelt oder im Garten kompostiert, sondern in die Landschaft wirft, betreibt illegale Abfallentsorgung, das ist eine Ordnungswidrigkeit.“ Laut Abfallsatzung des Werra-Meißner-Kreis kann diese Ordnungswidrigkeit mit Geldstrafen bis zu 1000 Euro geahndet werden.

Die Kreisverwaltung und die Stadt Großalmerode empfehlen daher, große Rasenflächen häufiger zu mähen, um die Rasenmengen gering zu halten, sodass der Mulch auf der Fläche bleiben kann. Außerdem könne Grünschnitt sowohl an der Kompostieranlage in Ermschwerd als auch auf der Deponie in Meißner-Weidenhausen abgegeben werden. Eine Kofferraumladung werde in Weidenhausen für 5,63 Euro inklusive Mehrwertsteuer angenommen. Derweil arbeite der Kreis an einer Lösung für „Übermengen“ aus Gärten. In den nächsten Monaten werde auch versucht, mit einer erweiterten Grüngut-Sammlung das Problem anzugehen.

Kontakt: Abfallberaterin Gabriele Maxisch, Tel. 0 56 51/3 02 47 51

Von Alia Shuhaiber

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