GWH verkauft Häuser an Briefkastenfirma

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Vor der Schanze

Witzenhausen. Die Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft Hessen (GWH) hat mehrere Häuser an eine Briefkastenfirma verkauft. Betroffen sind Wohnungen in Witzenhausen, die zum 1. Oktober 2012 in das Eigentum der CGH A7 Invest GmbH & Co. KG übergegangen sind.

Das geht aus Unterlagen hervor, die der HNA vorliegen.

Auf Anfrage wollte Stefan Bürger, Leiter der GWH-Geschäftsstelle in Kassel, den Namen des neuen Eigentümers nicht bestätigen. 138 Wohnungen an der Thüringer Straße und Vor der Schanze seien "an einen institutionellen Investor veräußert" worden. Details zu dem Geschäft nannte er nicht. Offen blieb, ob die GWH weitere Immobilien an die CGH A7 verkauft hat. Vor zwei Monaten hatte die GWH bestätigt, Wohnungen in Witzenhausen und Kassel verkauft zu haben  laut Bürger an "lokale Investoren".

Nach Recherchen der HNA hat die CGH A7 über Mittelsleute und eine weitere Briefkastenfirma enge Verbindungen zu drei Geschäftsleuten, gegen die die Staatsanwaltschaft Mühlhausen wegen des Verdachts des Betrugs, der Steuerhinterziehung und Insolvenzverschleppung ermittelt. Die Männer sollen sich als Geschäftsführer am Vermögen einer mittelständischen Firma in Thüringen bereichert und Schäden in Millionenhöhe verursacht haben. Ob die GWH davon wusste, ist unklar. Zu "rechtlichen Sachverhalten" könne er keine Aussagen abgeben, sagte Bürger.

Obwohl der Verkauf erst vor wenigen Monaten über die Bühne ging, gibt es erste Probleme. Nach HNA-Informatioen stehen bei den Stadtwerken Witzenhausen größere Beträge aus. Die Mieter zahlen ihre Miete, Nebenkosten sowie Strom und Gas wie bisher an die GWH. Doch nun warten die Stadtwerke darauf, dass die neuen Eigentümer die Außenstände begleichen. Geschäftsführer Thomas Meil wollte dazu auf Anfrage keine Angaben machen.

Spur führt bis nach Belize

Kurz und knapp wurde den Mietern mitgeteilt, wem die Häuser Vor der Schanze und an der Thüringer Straße in Witzenhausen nun gehören. "Das Wohngebäude (...) ist mit Wirkung ab dem 1. Oktober 2012 an CGH A7 Invest GmbH & Co. KG veräußert worden", heißt es in einem Brief der GWH.

Mehr erfahren die Mieter nicht über ihre neuen Vermieter. Fragen zum Mietverhältnis soll die Immobilienservice Kassel GmbH beantworten. Auf Nachfrage erfährt die HNA dort Adresse und Telefonnummer der CGH A7.

Doch diese stimmen nicht überein. Während die Postadresse Kirschweg 5 in Metzels auf ein Grundstück in einem Neubaugebiet in der südthüringischen Kleinstadt hinweist, landen Anrufe auf einem Anschluss im nahen Römhild bei Suhl. Fragen zu den Immobilienkäufen werde er der Geschäftsführung vorlegen, sagt ein Mann am Telefon. Eine Antwort erhält die HNA von der CGH A7 auf ihre Anfrage jedoch nicht.

Aufschluss bringt der Blick ins Handelsregister. Kommanditisten der CGH A7 GmbH & Co. KG sind die Cunagold Holding SA mit Sitz im mittelamerikanischen Steuer-Paradies Belize und Doreen May aus Römhild. Sie soll enge Verbindungen zu drei Geschäftsleuten haben, gegen die die Staatsanwaltschaft Mühlhausen ermittelt. Ob sie bei dem Geschäft eine Rolle spielen, ist unklar.

Hintergrund - Kein kompletter Rückzug der GWH

Die GWH ist eine 100-prozentige Tochter der Hessischen Landesbank (Helaba). Nach eigenen Angaben hat sie insgesamt 48 000 Wohnungen.

Anfang November 2012 hatte die GWH behauptet, in Witzenhausen 340 Wohnungen zu besitzen. Zu diesem Zeitpunkt waren die 138 Wohnungen Vor der Schanze und an der Thüringer Straße bereits verkauft. Inzwischen spricht Stefan Bürger, Leiter der GWH-Geschäftsstelle Kassel, von 172 Wohnungen. Es gebe weiter eine starke Nachfrage nach Wohnimmobilien, sagte er. "Und so werden wir auch zukünftig Kaufangebote prüfen." Er dementierte jedoch einen generellen Rückzug aus Witzenhausen.

Dass die GWH Mehrfamilienhäuser in Witzenhausen an die Briefkastenfirma CGH A7 GmbH & Co. KG verkauft hat, teilte sie ihren Mietern in Briefen mit. Ob noch weitere Immobilien an anderen Orten Teil des Geschäfts waren, lässt die GWH offen.

Um Informationen hatte auch der Ortsbeirat im Kasseler Stadtteil Oberzwehren gebeten. Doch die GWH lässt die Stadtteilvertreter bis heute im Unklaren über die neuen Eigentümer von 48 Wohnungen an der Straße Auf dem Angel. Diese hatten im Herbst den Besitzer gewechselt. (clm)

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