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Hilfe für Ungeborene: Lisa Jung kümmert sich um schwangere Flüchtlinge

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Geburtstermin in drei Wochen: Lisa Jung (Zweite von links) kümmert sich um die schwangere Mekdes (von links), Ornella und Ivana (beide aus Serbien).

Witzenhausen. Wo findet man einen Gynäkologen, wo eine Hebamme? Was muss bei den Behörden geregelt werden? Fragen, vor denen schwangere Flüchtlinge stehen. Lisa Jung aus Witzenhausen hilft ihnen.

Mit einem breiten Lächeln hält Mekdes die Tür zu ihrer Wohnung auf. Sie bittet alle Frauen herein, bietet ihnen Tee und Gebäck an. Mit einem Schnaufen lässt sie sich dann auf einem Stuhl fallen. Man sieht ihr an, dass es nicht mehr lange dauert, bis ihr zweites Kind geboren wird.

Mekdes ist eine von fünf schwangeren Flüchtlingen, die in den Wohnungen der Awo Witzenhausen wohnen. Insgesamt leben dort etwa 150 Flüchtlinge. Da viele von ihnen Probleme mit der deutschen Sprache haben und nicht wissen, wie eine Schwangerschaft in Deutschland betreut wird, kümmert sich Lisa Jung ehrenamtlich um die Schwangeren. „Ich wollte helfen und habe gefragt, was ich machen kann. Dass ich mich um Schwangere kümmere, hat sich erst im Laufe der Zeit so ergeben“, sagt die 36-Jährige, die selbst Mutter von drei Kindern ist.

„Irgendwann hat es angefangen, dass die Frauen alle die gleichen Fragen zur Geburt hatten“, sagt Jung. Seit einem halben Jahr bringt sie sie zu Untersuchungen bei den Ärzten, zeigt ihnen, wo sie Babykleidung kaufen können und erklärt ihnen, welche Papiere und Überweisungen sie für welchen Arzt benötigen. „Die Ämter und Behörden geben sich wirklich Mühe, aber die Anzahl der Formulare, die die Frauen benötigen, erschwert die ganze Sache“, sagt Jung.

Mekdes steht ihr bei der Hilfe tatkräftig zur Seite. Sie kommt aus Eritrea, ist über Griechenland geflüchtet und spricht gut Englisch. Sie übersetzt die Fragen der Frauen. Sie freut sich auf ihr zweites Kind. „Ich hoffe nur, dass bei der Geburt alles gut geht“, sagt die 35-Jährige. Lisa Jung tut alles, damit dieser Wunsch auch wahr wird. „Ich bin der Meinung, dass es nicht damit getan ist, Kleidung zu spenden. Die Menschen müssen abgeholt und in unsere Kultur integriert werden“, sagt sie. Sie fährt die Frauen auf eigene Kosten auch zur Untersuchung ins Krankenhaus nach Eschwege. „Ich merke, dass sie Hilfe brauchen und es nicht alleine schaffen. Ich mache das gerne und bekomme so viel dafür zurück.“

Sie fühlt sich bei Mekdes schon als Familienmitglied. Sie wird eingeladen und fühlt die Dankbarkeit der Frauen. Gerne möchte sie noch mehr helfen. „Die Frauen haben kein Auto, müssen alle Einkäufe weit tragen und haben dann noch ein Neugeborenes auf dem Arm“, sagt Jung. Deshalb sucht sie noch nach Spenden. „Wir benötigen dringend fünf Kinderwagen und einige Babytragehilfen, um den Frauen die Zeit nach der Geburt so angenehm wie möglich zu machen.

Mekdes hat ihren Geburtstermin in drei Wochen. Sie hat bereits eine Tochter, die die Schule besucht und Deutsch lernt. Ob sie mit ihrer Familie bleiben kann, weiß sie allerdings nicht. Jede der Frauen wartet auch noch darauf, ob ihr Antrag auf Asyl bewilligt wird, oder ob sie zurück in ihre Heimatländer müssen.

Spenden nimmt Lisa Jung, Tel. 01 75/8 75 18 96, entgegen.

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