Hört ihr die Jäger rufen?

Reportage: Auf Fledermausjagd mit Akustik-Detektor

Großes Mausohr: Die gefährdete Fledermausart lebt in Nordhessen und ist durch eine EU-Richtlinie geschützt. Zählungen der flinken Tiere, die per Ultraschall kommunizieren, sind kompliziert. Eine Möglichkeit sind Detektoren – quasi Übersetzunggeräte. Foto: dpa

Bad Sooden-Allendorf. Sie fliegen im Schwarm, sie sind Jäger mit spitzen Zähnen. Sie schreien, kein Mensch kann sie hören. Der Strahl der Stabtaschenlampe zerteilt die Dunkelheit über dem Bruchteich. Flap-flap! Eine Fledermaus flattert im Licht. Zu schnell. Flap-flap-flap-flap! Sie ist nicht allein.

Christina Peters hält den Ultraschall-Detektor über ihren Kopf. Stille. Der Lampenstrahl zittert über ruhende Seerosen. Ein Ton kommt aus dem Detektor wie ein kräftiges Tür-Pochen. Pack-pack-pack-pack. Leer bleibt der Lichtstrahl. Es wird lauter, sie kommen näher: Pack-Pack-Pack. „So schreien nur die Wasserfledermäuse“, sagt Peters. „Wir sind nicht allein heute Nacht.“

Nordhessen ist Fledermausland. Hier leben besonders viele Arten und Exemplare, sagt Christina Peters, Mitarbeiterin im Naturpark Meißner-Kaufunger Wald. Am Bruchteich und an den Sümpfen bei Bad Sooden-Allendorf hat sie zur Nachtexkursion eingeladen. Per Detektor macht sie die Schreie der Tiere hörbar. Etwa 30 Gäste sind gekommen, die Hälfte davon Kinder.

„Kinder, was wisst ihr über Fledermäuse?“, fragt Peters. „Die sind schwarz!“ Nein, das gilt nur für Batman. „Die sind mit dem Menschen verwand!“ Auch das klingt eher nach Batman. Über das komplizierte Echo-Ortungssystem weiß jedoch jedes Kind Bescheid. „Die sehen mit den Ohren.“ Genau, besser als Batman.

„Nordhessen bietet unberührte Naturräume, Quartiere und Beute-Nahrung für Fledermäuse“, sagt Peters. Hier können gefährdete Arten wie das Große Mausohr und die Bechsteinfledermaus überleben. Sie stehen unter dem besonderen Schutz der Europäischen Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH).

Im Reich der Fledermäuse: Naturparkführerin Christina Peters (links) eröffnet den Gästen eine verborgene Naturwelt. Foto: Schumann

Dass die scheuen Jäger so schwer zu fassen sind, macht es für Naturschützer kompliziert: Regelmäßige Zählungen, das Monitoring, sind schwierig. Eine Lösung bieten die sogenannten Bat-Detektoren, die die Schallwellen der Tiere entzerren und in hörbare Töne umwandelt. „Großflächige Zählungen gibt es im Vorfeld von Bauprojekten, etwa Windkraftanlagen oder Autobahnen“, so Peters.

Am Ufer des Bruchteichs ist es ruhig - scheinbar: „Es ist viel los über dem Wasser, was wir ohne Detektor nicht hören“, sagt die Parkführerin. Wo es feucht ist, finden die Tiere Insekten zum Fressen. Zwergfledermäuse fliegen unsichtbar zwischen den Bäumen, es kratzt im Lautsprecher des Ortungsgeräts. Der Ruf der Zwergfledermäuse klingt wie eine quietschende Tür im Horrorfilm - schnell abgespielt, in Dauerschleife.

„Ich hatte letztens zwei Fledermäuse im Schlafzimmer“, merkt ein Zuhörer an. Das passt: Ende August beginnen die ersten Fledermäuse mit der Winterquartiersuche.

Termin:  Samstag, 30. August, Jugendherberge Eschwege, Anmeldung: 0 56 51 / 95 21 25 Kosten: 3,50 Euro/Person, 10,50 Euro/Familie

Hintergrund: Fledermausjagd per Detektor

Ein akustischer Detektor macht die Schreie der Jäger hörbar.

Fledermaus- oder Bat-Detektoren sind in der Lage, die Ultraschalllaute der Tiere in Töne umzuwandeln, die auch für Menschen hörbar sind. Die Geräte können Geräusche in einem Frequenzbereich zwischen 10 bis 200 und mehr Kilohertz empfangen. Der Mensch kann nur tiefere Töne im Bereich von 0,1 bis etwa 12 Kiloherz verarbeiten. Das Gerät, das bei Bad Sooden-Allendorf verwendet wurde, verlangsamt den aufgenommenen Ton und spielt ihn in einer tieferen Frequenz ab. Anhand der aufgenommenen Rufe können verschiedene Fledermaus- und Rufarten dokumentiert werden - etwa Ortungs- oder Sozialrufe. Je nach Leistung kosten die Detektoren zwischen 150 und mehreren Tausend Euro.

Von Jan Schumann

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