Investitionen in Gefahr

Drängen auf Rechtssicherheit für Gütertransport auf Oberweser

Riesenteile: Auch diese bereits fertiggestellten überdimensionalen Rahmenteile für eine Offshore-Windkraftanlage, die sich Lothar Quanz hier von Firmen-Vorstand Axel Richter (rechts) und Prokurist Joachim Kraus (links) zeigen lässt, könnten statt über die Autobahn kostengünstiger und umweltschonender über die Weser an ihren Bestimmungsort gebracht werden. Foto: Forbert

Hessisch Lichtenau. Wirtschaft und Politik im Dreiländereck Nordhessen, Südniedersachsen und Westthüringen drängen gemeinsam auf Rechtssicherheit für die Frachtschifffahrt auf der Oberweser.

Sonst, so sieht es nicht nur der Eschweger SPD-Politiker Lothar Quanz, seien Investitionen in Gefahr und werde eine Chance auf neue Arbeitsplätze vergeben.

Konkret geht es um die Herabstufung der Weser von der Bundeswasserstraße zum reinen Tourismus-Gewässer, gegen die auf verschiedenen Ebenen gekämpft wird. Dazu gehört auch die Maschinenfabrik Richter in Hessisch Lichtenau, die überdimensional große und besonders schwere Teile ab Hann. Münden über die Weser verschifft – und dies künftig verstärkt machen möchte.

Weil über 100 Tonnen schwere Einzelteile nicht über alle Autobahnen transportiert werden können, habe man schon ein paar Aufträge verloren, bedauert Firmen-Vorstand Axel Richter. Dazu gehörten beispielsweise zwei große Getriebe für einen Tunnelbohrer, erläutert sein Prokurist Joachim Kraus.

Portalkran für Hafen?

Viele Autobahn-Brücken seien mittlerweile sanierungsbedürftig, bei Transporten mit 120 bis 130 Tonnen gebe es da schon Probleme. So bauen Axel Richter und Joachim Krauß auf den Plan, dass der Hafen von Hann. Münden einen festen Portalkran mit einer Trage-Kapazität von 300 Tonnen erhält.

Dafür soll eine Betreibergesellschaft gefunden werden. Investitionen von zwei bis zweieinhalb Millionen Euro hält der städtische Wirtschaftsförderer Jörg Hartung derzeit für rein spekulativ.

Nach Ansicht von SPD-Politiker Lothar Quanz, der sich auf der Parteischiene und ebenso im Werra-Meißner-Kreistag weiter gegen die Herabstufung stark machen will, werde der Hann. Mündener Hafen auch für weitere Firmen in der Region interessant.

Für sinnvoll wird ein fest installierter 300-Tonnen-Kran auch gehalten, weil eine große Kiesabbaufirma im Herbst ein neues Spezialschubschiff mit sehr geringem Tiefgang zu Wasser lassen will. Die Firma Richter will es auch nutzen, weshalb es besonders konstruiert wird.

Außerdem ist der Einsatz eines mobilen Schwerlastkrans bis zu 30-mal teurer als eine Umladung; die Firmen verlieren ihre Wettbewerbsfähigkeit.

Neue Analyse soll kommen

Ohne Rechtssicherheit, also die Einstufung der Werra als Binnenschifffahrtsstraße mit Gütermengen zwischen 0,6 und drei Millionen Tonnen (Kategorie C), werde nicht in eine teure Krananlage investiert, befürchten Firmenvertreter und Politiker. Auf Versicherungen aus dem Bundesverkehrsministerium, dass sich nichts ändere, geben sie nicht viel. „Bei Mittelkürzungen in Berlin ist das dann das erste, das wegfällt,“ so Richter und Kraus. Und Quanz fügte an: „Wenn sich angeblich nichts ändert, kann die Oberweser doch in der Kategorie C bleiben.“

Um die nötige Gütermenge nachzuweisen, wollen die Wirtschaftsförderer der Region Kassel und der Stadt Hann. Münden noch in diesem Monate eine neue Potenzial-Analyse in Auftrag geben. (sff)

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