Landrat Reuß über Bertelsmann-Studie: „Verfälschtes Bild“

Nur jeder dritte Grundschüler wechselt aufs Gymnasium

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Werra-Meissner. Der Werra-Meissner-Kreis schneidet bei einem Chancenspiegel der Bertelsmannstiftung in Hessen besonders schlecht ab. Die gestern veröffentlichte Studie kommt zu dem Ergebnis, dass „die Bildungschancen von Kindern in Hessen regional ungleich verteilt sind“. Demnach entscheidet auch die Region, in der man zur Schule geht, über die Schullaufbahn. Schüler aus Nord- und Osthessen haben demnach schlechtere Startbedingungen als diejenigen, die im Rhein-Main-Gebiet eine Schule besuchen.

In einigen Regionen, etwa dem Speckgürtel um Frankfurt, wechseln zwei von drei Kindern nach der Grundschule aufs Gymnasium. Im Norden und Osten des Landes kommt nur eins von drei Kindern aufs Gymnasium. Die Bertelsmannstiftung erklärt diese Unterschiede mit dem schulischen Angebot, das je nach Region stark variiert. Der Anteil der Gymnasiasten an den Fünftklässlern machte in Hessen 46,2 Prozent aus. Regional lag die Bandbreite zwischen 32,4 und 63,3 Prozent. Viele Gymnasiasten gab es im Rhein-Main-Gebiet. Am geringsten war der Anteil in den Landkreisen Werra-Meißner oder Vogelsberg. Landrat Stefan Reuß widersprach gestern der Statistik, die „ein verfälschtes Bild wiedergibt“. Nur Schüler, die nach der Grundschule auf Gymnasien wechselten, seien berücksichtigt. Nicht eingerechnet sind in dieser Aufzählung Gesamtschulen. Das bestätigt Ludger Arnoldt, Sprecher der Adam-von Trott-Schule in Sontra. Seine Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe spielt nicht in diese Statistik rein. „Bei uns beginnen die Schüler nicht auf dem Gymnasium, schließen am Ende aber mit dem Abitur ab“, sagt Arnoldt. Das könne doch nicht schlecht sein. Auch der Anteil der Schulabgänger ohne Abschluss sei im Werra-Meißner-Kreis besonders hoch. „Zahlen des Statistischen Landesamtes sagen etwas anderes“, sagt Reuß.

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