Prachtvoller sinfonischer Abend mit der Philharmonie der Nationen

Justus und Ksenia im Team

Verdiente Ovationen: Nach herrlicher Interpretation genießt Ksenia Dubrovskaya den Applaus des Publikums. Foto: Pujiula

bad SOODEN-ALLENDORF. Das Auftreten eines richtigen, vollwertigen Sinfonieorchesters ist ein seltener Genuss in unserem Kreis. So kann man sich nicht wundern, dass trotz Sommerhitze und Urlaubszeit, sich an diesem Donnerstagabend das Kultur- und Kongresszentrum der Badestadt restlos füllte - zumal die Philharmonie der Nationen mit ihrem Dirigenten Justus Frantz durch ihre jährlichen Auftritte in der Badestadt hier so etwas wie Heimatrecht hat. Der Charmeur Justus Frantz meinte, er könnte den Namen des Orchesters in Bad Sooden-Allendorfer Philharmonie umtaufen. Aber solcher gefälliger Schmeicheleien coram publico bedurfte der Abend nicht, um ein riesiger, begeisternder Erfolg zu werden.

Denn unter der leidenschaftlichen, präzisen Leitung ihres Gründers und Dirigenten Justus Frantz zeigte sich der etwa 60-köpfige Klangkörper aus überwiegend jungen Musikern aus vielen Nationen prachtvoll disponiert, so dass dieses als Generalprobe vor der ausgedehnten Deutschlandtournee deklarierte Konzert zu einem herrlichen, lustvollen Musikfest wurde.

Von den mehreren für diese Tournee einstudierten Werken wurde ein überaus attraktives Programm zusammengestellt, das mit Wagners Ouvertüre zu Tannhäuser mit einem klanglichen Zauber begann und gleich nach der Pause einen betörenden Höhepunkt erreichte: mit der 4. Sinfonie von Brahms.

In den vergangenen Jahrzehnten wurde dieses sinfonische Schlüsselwerk im Werra-Meißner-Kreis nicht aufgeführt, so dass der Eindruck, es live zu hören, um so stärker war: ein großartiges Erlebnis, vom jungen Orchester in größter Klangpracht gespielt. Nach dem stürmischen Applaus ließ Justus Frantz ein musikalisches Bonbon spielen: den Ungarischen Tanz Nr. 1. Und danach kam der zweite, ausschließlich Brahms gewidmete Konzertteil. Fantastisch war der letzte Satz der 2. Sinfonie, die zum Schluss gespielt wurde.

Ein weiterer, diesmal sanfterer Höhepunkt des Abends war das Violinkonzert Nr. 3 von Mozart: mit dem entsprechend verkleinerten Orchester und einer anmutigen, hervorragenden Solistin, Ksenia Dubrovskaya, einer jungen Russin - und der Ehefrau von Justus Frantz. Mit ihrer einfühlsamen, technisch makellosen Interpretation wie auch anschließend mit einer feurigen Fantasie und Scherzo von Kreisler brachte sie das Publikum zu lauten Ovationen und Bravos.

Es war ein beglückender, genüsslicher Sommernacht-Musikabend mit talentierten jungen Musikern und einem - wie immer - bestens gelaunten und redselig plaudernden Justus Frantz.

Francisco Pujiula

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