Kein Angeklagter da: Prozess erneut vertagt

dpa

Eschwege. Der Prozess gegen fünf Männer aus Bergheim und Bad Oeynhausen im Alter von 23 Jahren bis 49 Jahren vor dem Eschweger Amtsgericht konnte am Mittwoch auch im zweiten Anlauf nicht beginnen.

Den Männern wird gewerbsmäßiger Diebstahl in mehreren Fällen sowie einmal der Verdacht der Hehlerei vorgeworfen.

Gähnende Leere auf der Anklagebank, lediglich ein Zeuge und ein Dolmetscher anwesend. Für die Vorsitzende Richterin Elke Sprenger, ihre zwei Schöffen und Staatsanwalt Dr. Enrico Weigelt wiederholte sich ein Szenarium, das am 7. Oktober seinen Anfang genommen hatte. Da es am gestrigen Mittwoch nichts zu verhandeln gab, wurde der Prozess ausgesetzt und wird voraussichtlich erst im kommenden Jahr neu auf den Tisch kommen.

In wechselnder Besetzung

Hauptangeklagter ist ein 35 Jahre alter, ehemals in Hessisch Lichtenau wohnhafter Mann, dem acht Taten zur Last gelegt werden, während die weiteren Beteiligten nur teilweise an den Taten mitgewirkt haben sollen, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft.

In der Zeit von Dezember 2009 bis August 2010 sollen die Angeklagten in wechselnden Beteiligungen in Bakum im Münsterland, in Elsdorf im Rhein-Erft-Kreis sowie in der nordhessischen Region, in Witzenhausen, Hessisch Lichtenau, Morschen und Alheim, Wechselrichter für Solarmodule entwendet haben. Diese verkauften sie an einen 27-Jährigen Mann aus dem mittelfränkischen Gunzenhausen, der früher sein Geschäft in Hessisch Lichtenau hatte. Der wiederum soll die Wechselrichter im eigenen Betrieb verkauft beziehungsweise bei Kunden eingebaut haben.

Wie schon beim ersten Gerichtstermin hatte die Richterin erst kurz vor dem Prozess per Fax erfahren, dass der Hauptangeklagte laut seinem Anwalt gesundheitlich nicht in der Lage ist, am Prozess teilzunehmen.

Schon zum zweiten Mal konnte der Prozess gegen fünf Männer, denen Diebstahl und Hehlerei vorgeworfen wird, nicht beginnen. Keiner der Angeklagten war am Mittwochmorgen im Eschweger Amtsgericht erschienen.

Wie die Vorsitzende Richterin Elke Sprenger mitteilte, hatte sie am Abend vorher ein Fax vom Anwalt des Hauptbeschuldigten erreicht, der eine Aussetzung des Verfahrens forderte, da sein Mandant krankheitsbedingt nicht in der Lage sei, vor Gericht zu erscheinen. Ein Attest steht noch aus, da nicht klar ist, wo der Hauptangeklagte wohnt. Sollte er sich der amtsärztlichen Untersuchung verweigern, würde der Erlass eines Haftbefehls geprüft.

Der reine Stehlschaden, den die Angeklagten im Zeitraum von Dezember 2009 und August 2010 angerichtet haben sollen, wird mit einem Gesamtwert von rund 56.000 Euro beziffert. „Hierbei handelt es sich um Wechselrichter, die an Geschäftsgebäuden und landwirtschaftlich genutzten Feldscheunen angebracht waren“, so die Anklage.

In zwei weiteren Fällen, bei einem Solarpark in Rotenburg und einer größeren Anlage im Münsterland, wurden Wechselrichter abmontiert, doch störte das Eintreffen der Polizei die Diebe. Der Wert der Beute wird mit rund 120.000 Euro beziffert.

In einem weiteren Fall, hier wurden Wechselrichter im Gesamtwert von rund 34.000 Euro gestohlen, ist noch unklar, ob diese vom Beschuldigten selbst entwendet oder von einem Dritten angekauft wurden. Hier, so die Staatsanwaltschaft gestern, besteht auch der Verdacht der Hehlerei.

Von Dieter Möller

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