Nach der Gülle-Attacke diskutieren Witzenhäuser Anbauer über den Preis

Was die Kirsche wert ist

Preisdiskussion: Durch das derzeit große Angebot nehmen einige Anbauer drei Euro für das Kilogramm Kirschen, andere haben die Preise nicht gesenkt. Foto: Michaelis

Witzenhausen. Dank andauernder Hitze und ausbleibendem Regen gibt es Kirschen derzeit in Hülle und Fülle. Was den Verbraucher freut, wirkt sich für die Anbauer im Werratal jedoch negativ auf die Preise aus: Anstatt der üblichen vier bis fünf Euro pro Kilogramm – je nach Qualität und Größe – hatte der Obsthof Krumbein vorige Woche den Preis auf drei Euro gesenkt. In der Folge wurde ein Stand der Familie an der B 80 mit Gülle attackiert. Seitdem wird über den Preis diskutiert.

„Dreimal ist es in den vergangenen sechs Jahren vorgekommen, dass die Kirschen in der Haupterntezeit keinerlei Regenschäden davongetragen haben“, erklärt Harald Ludwig, der für den Obsthof Krumbein verkauft. Ein Überangebot führe nun mal zu einem niedrigeren Preis. Da derzeit Massen gesunder Kirschen ohne viel Aufwand in guter Qualität zu pflücken seien, habe die Familie den Preis auf drei Euro gesenkt.

Damit ihm keine Kunden weglaufen, hat Manfred Feldmeier nun auch kleinere Kirschen für drei Euro im Angebot. Sein Stand steht ebenfalls an der B 80. „Ich verkaufe jedoch zu 90 Prozent weiterhin die größeren aber teureren Kirschen“, sagt er. Die Gülle-Attacke sieht er als großen Tiefschlag für das Kirschenland Werratal: „Die Geschichte geht durch ganz Deutschland und die anderen Bauern lachen sich tot darüber.“

Armin Kindervatter hält drei Euro pro Kilogramm für unrealistisch. „Abends hat man dadurch auch nicht mehr in der Kasse“, sagt er. Er nehme – wie bereits im vorigen Jahr – 4,50 Euro. Der Absatz sei gut, das Pflücken gehe schnell, da 95 Prozent der Kirschen verkaufsfähig seien. „Im letzten Jahr ist ein Drittel durch Wärmegewitter zerstört worden“, so Kindervatter. Hält sich das Wetter, gehe die Ernte noch drei Wochen.

„Auch wenn jetzt alle Kirschen auf einmal reif werden, ist es nicht sinnvoll mehr zu pflücken, als man verkaufen kann“, meint Berthold Fasshauer. Durch die Sonne produziere die Kirsche mehr Zucker, der sie haltbarer mache. Beim Preis spiele auch die Größe der Frucht eine Rolle: „Eine Kirsche mit 28 Millimeter Durchmesser gilt als hochwertig und wird sogar im Großmarkt mit mehr als drei Euro gehandelt.“ Diese Kirschen würden zwischen 4,50 und 5 Euro verkauft. „Für eine Frucht mit 24 Millimeter ist drei Euro pro Kilo ein marktgerechter Preis“, sagt Fasshauer. Er ernte erst ab 26 Millimetern. „30 bis 40 Prozent von Mindergrößen lasse ich hängen, wenn die Ernte durch ist und weiterhin Nachfrage besteht, kann man die immer noch pflücken.“ (gsk) Hinweise zu der Gülle-Attacke auf den Kirschen-Verkaufsstand an der B 80 bei Unterrieden: Polizei Witzenhausen, Tel. 0 55 42 / 9 30 40.

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