Diebe sorgen für Rückschlag

Luchs-Projekt: Wertvolle Daten der Wildkatzen sind anscheinend verloren

Hessisch Lichtenau. Der Diebstahl von vier Kameras im Gebiet des Forstamtes Hessisch Lichtenau vor wenigen Tagen hat dem Luchs-Pilotprojekt einen Rückschlag versetzt, teilte der Beauftragte der Universität Göttingen, Dr. Markus Port auf Anfrage mit. Mit dem Diebstahl der Kameras seien auch die wichtigen Daten verschwunden, was aus zwei Gründen besonders ärgerlich sei.

Projekt läuft seit November 2014

Das erste Luchs-Projekt dieser Art läuft seit November 2014, beteiligt sind Hessen-Forst (Forstämter Hessisch Lichtenau und Melsungen), die Uni Göttingen sowie der Arbeitskreis Hessenluchs. Das Projekt, auch Monitoring genannt, dient dazu zu klären, wie viele Luchse derzeit im hessisch-niedersächsischen Grenzgebiet leben. Dazu wurden zahlreiche Fotofallen in Nordhessen aufgestellt, bereits beim Vorgängerprojekt wurden fünf Kameras gestohlen. Für die drei bisher nachgewiesenen Luchse in unserer Region haben Schulen Patenschaften übernommen und den Pinselohren die Namen Felux, Braunie und Laxy gegeben. (uli)

Zum einen handele es sich bei dem Areal im Kaufunger Wald, in dem die Fotofallen standen, um den „Top-Standort“ für Luchssichtungen, also den Raum, in dem die meisten Aufnahmen der Pinselohren zu erwarten seien. Andererseits endete die Paarungszeit der Wildkatzen kürzlich – auch dies hätte die Chancen auf wertvolle Aufnahmen gesteigert, da die scheuen Tiere in der sogenannten Ranzzeit zwischen Februar und März besonders aktiv seien. Das Projekt sei zwar nicht gefährdet, da man an insgesamt 20 Standorten im Gebiet des Forstamtes Hessisch Lichtenau Kameras aufgestellt habe, der Datenverlust sei aufgrund der genannten Umstände aber „äußerst unglücklich“, sagt der Verhaltens-Ökologe der Uni Göttingen.

Hinzu komme, dass Laien mit den speziellen wissenschaftlichen Kameras für die Tieraufnahmen ohnehin nichts anfangen könnten, sagt Port. Auch daher sei ein Weiterverkauf der jeweils etwa 300 Euro teuren Spezialkameras so gut wie ausgeschlossen, außerdem seien die Geräte mit entsprechenden Identifizierungsnummern ausgestattet, ergänzt der Luchsbeauftragte des Forstamtes Hessisch Lichtenau, Ralf Meusel.

Er und Port hoffen darauf, dass der oder die Täter zumindest die Chips mit den Daten zurückgeben. Drei Luchse haben die Wissenschaftler bislang anhand ihrer Fellzeichnung identifizieren können. Für eine präzisere Schätzung sind weitere Aufnahmen der scheuen Pinselohren umso wichtiger.  

Von Nicolai Ulbrich

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