Landgericht Kassel

Mord an der Grillhütte: Polizei überrascht über ruhige Ehefrau

Kassel/Hessisch Lichtenau. Zum Auftakt des Prozesses um den Grillhüttenmord in Hessisch Lichtenau hat sich am Donnerstag keiner der drei Angeklagten zu den Vorwürfen geäußert. Alexandr B. (35) gab jedoch über seinen Verteidiger eine aus lediglich einem Satz bestehende Erklärung ab, in der er seine Unschuld beteuerte:

„Ich war zum mutmaßlichen Tatzeitpunkt nicht auf dem Grillplatz und habe mit der Tötung des Waldemar B. nichts zu tun.“ Die beiden anderen Männer – Vladimir G. (22) und Sergej B. (28) – wollen sich dagegen „schweigend verteidigen“, wie Verteidiger Mutlu Günal sagte.

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Dem Trio wird gemeinschaftlicher Mord vorgeworfen. Am Abend des 8. Juli 2013 sollen sie mit ihrem Opfer zur Grillhütte „Waldfrieden“ gegangen sein, wo die beiden jüngeren Angeklagten auf den 38-Jährigen eingeschlagen hätten – zunächst mit den Fäusten und einem Schlagstock. „Dann holte Sergej B. ein Beil und schlug Waldemar B. dreimal so fest auf den Hinterkopf, dass die Schädeldecke zertrümmert wurde“, sagte Staatsanwältin Verena Bring.

Als mutmaßliches Motiv nannte sie, dass der älteste Angeklagte eine Liebesbeziehung zur Ehefrau des Getöteten unterhalten habe. Außerdem habe das Opfer für sein „unangemessenes Verhalten“ bestraft werden sollen – seinen hohen Alkoholkonsum etwa.

Dazu passte, dass zwei als Zeugen vernommene Polizeibeamte von einer überraschend ruhigen Reaktion der Frau auf die Todesnachricht berichteten. Sie habe regelrecht „relaxt“ gewirkt und ihren Ehemann als aggressiven Trinker geschildert. „Mir kam es so vor“, erinnerte sich ein Beamter, „als ob er nicht unbedingt vermisst würde.“

Der Befangenheitsantrag gegen die Strafkammer, mit dem Verteidiger Günal am Montag die Vertagung des Prozessauftakts erzwungen hatte, war zu Verhandlungsbeginn als „unbegründet“ zurückgewiesen worden: „Die Vorwürfe“, hieß es, „entbehren jeglicher Grundlage.“ (jft)

Der Ticker vom ersten Prozesstag zum Nachlesen:

+++ 13.15 Uhr +++

Der erste Verhandlungstag ist beendet. Mehrere Polizisten haben ausgesagt, teilweise gab es Widersprüche in deren Schilderungen. Am Montag geht der Prozess weiter. Wie heute bekannt wurde, will die Ehefrau des Opfers ihre Aussage verweigern. Staatsanwaltschaft und Nebenklage bestehen aber auf die Aussage. Die Frau soll ein Verhältnis mit einem der Angeklagten gehabt haben.

+++ 13.05 Uhr +++

Die Polizisten, die die Ehefrau des Opfers über dessen Tod benachrichtigt haben, berichten, dass die Frau "teilnahmslos" und "entspannt" gewirkt habe, als sie ihr mitteilten, dass ihr Mann tot sei.

+++ 12.50 Uhr +++

Im Mordprozess geht es auch um den 41-jährigen Tatverdächtigen, der kurz nach der Tat zuerst festgenommen wurde. Polizisten fanden Schuhe bei ihm, die noch feucht waren, und ein Fleischerbeil. Wie die Untersuchungen des LKA ergaben, hatte der 41-Jährige aber nichts mit der Tat an der Grillhütte zu tun. Durch widersprüchliche Aussagen des 41-Jährigen sei die Polizei dann auf die Spur der drei jetzt Angeklagten gekommen.

+++ 12.17 Uhr +++

Auch Kriminalbeamte werden befragt. Die Verteidiger der Angeklagten gehen dem Thema nach, dass die Angeklagten abgehört worden sein sollen. Russische Gespräche werden von einem Tonband abgespielt, ein Dolmetscher soll erklären, um was es bei den Gesprächen ging.

+++ 11.52 Uhr +++

Derzeit werden Polizisten angehört, die als erste am Tatort an der Grillhütte eingetroffen waren. Sie schildern, wie sie die Leiche vorgefunden hatten. Auch Bilder vom Fundort der Leiche werden gezeigt

+++ 11.06 Uhr +++

Auch die Schwester des Opfers ist zusammen mit dem Vater des Getöteten im Gerichtssaal. Im Zuhörer-Raum soll auch ein Schwager eines Angeklagten sitzen, den der Verteidiger der Nebenklage, Knuth Pfeiffer, womöglich noch als Zeuge anhören möchte.

+++ 10.54 Uhr +++

Dass es sich bei der Tat um ein Gewaltverbrechen handelt, ist sicher: Das Opfer ist an einem Schädelbruch gestorben. Dreimal wurde mit einem Beil auf den Hinterkopf des Mannes eingeschlagen.

+++ 10.03 Uhr +++

Der Prozess geht jetzt nach kurzer Unterbrechung weiter. Die ersten Zeugen sollen gleich aussagen. Unter ihnen soll auch das Ehepaar sein, welches das Opfer am Morgen des 9. August 2013 gefunden hatte.

+++ 9.58 Uhr +++

Angehörige des Mordopfers wirken immer noch fassungslos und geschockt, wollen sich nicht zu der Bluttat öffentlich äußern. Verteidiger der Nebenklage Knuth Pfeiffer, sagt in ihrem Namen, dass die Angehörigen darauf hoffen, dass das Verfahren schnell abgewickelt wird. Es sind elf Verhandlungstage im Zeitraum vom vier Wochen angesetzt.

+++ 9.52 Uhr +++

Einer der drei Angeklagten, der 35-Jährige, bestreitet, am Tatort gewesen zu sein. Die beiden anderen Angeklagten im Alter von 22 und 28 Jahren wollen sich zur Tat nicht äußern.

+++ 9.44 Uhr +++

Der Befangenheitsantrag gegen die 6. Kammer des Landgerichts Kassel wurde abgelehnt. Soeben wurde die Anklageschrift verlesen.

+++ 9.37 Uhr +++

Seit 9 Uhr läuft der Prozess. Noch liegen keine Informationen vor, ob der Befangenheitsantrag gegen die gesamte 6. Kammer angenommen oder abgelehnt wurde.

+++ 8.58 Uhr +++

Mittlerweile sind deutlich mehr Zuhörer da, als am Montag. Schätzungsweise 30 Personen stehen im Gang. Die Anwälte sind ebenfalls eingetroffen. Verteidiger Günal Mutlu ist gespannt, ob seinem Befangenheitsantrag stattgegeben wird.

+++ 8.51 Uhr +++

Immer mehr Menschen treffen vor dem Gerichtssaal ein. Auch Alexander Bitdorf, der Vater des getöteten Waldemar Bitdorf und Nebenkläger, ist heute wieder im Gerichtssaal.

+++ 8.44 Uhr +++

Die Angeklagten sind soeben in einem Bus der Justizvollzugsanstalt vorgefahren. Die ersten Zeugen und Zuschauer warten bereits vor dem Gerichtssaal.

+++ 8.38 Uhr +++

Die ersten Medienvertreter mit Kamerateams sind am Landgericht Kassel eingetroffen. Auch heute erregt der Mordprozess viel Interesse.

+++ 8.28 Uhr +++

Noch ist es ruhig vor dem Gerichtssaal. Auch heute hat der vorsitzende Richter, Volker Mütze, sieben Zeugen, zwei Sachverständige und zwei Dolmetscher vorgeladen. Um 9 Uhr entscheidet sich, ob der Prozess heute tatsächlich beginnt.

Hintergrund: Befangenheit

Bei begründeten Zweifeln an ihrer Unabhängigkeit und Unparteilichkeit können Richter „wegen Besorgnis der Befangenheit“ abgelehnt werden. Stellt ein Anwalt ein solches Ablehnungsgesuch, müssen die betroffenen Richter zunächst darlegen, ob sie sich selbst für befangen halten. Anschließend entscheidet ein Richterkollege über den Antrag.

Hält er das Gesuch für hinreichend begründet, dürfen die abgelehnten Richter an der Verhandlung nicht mehr teilnehmen. Strafprozesse müssen dann abgebrochen und mit neuer Gerichtsbesetzung neu gestartet werden. Befangenheitsanträge können so lange gestellt werden, bis der erste Angeklagte beim Prozessauftakt zur Person vernommen wurde – es sei denn, die Ablehnungsgründe zeigen sich erst später.

An dieser Stelle berichten wir später in den Verhandlungspausen aus dem Gerichtssaal.

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