Mordprozess: Zeugenbefragung offenbart fragwürdige Verhörmethoden der Polizei

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Beim Prozessauftakt dabei: Alexander B., Vater des Getöteten und Nebenkläger (rechts) mit Rechtsanwalt Knuth Pfeifer.

Kassel/Hessisch Lichtenau. Im Prozess um den Grillhüttenmord in Hessisch Lichtenau rücken immer mehr die Vernehmungsmethoden der Polizei in den Fokus. Am Freitag bekam die Kritik der Verteidiger am Vorgehen der Beamten neue Nahrung.

Als Zeugen hatte das Kasseler Landgericht jenen Mann geladen, der zunächst zu Unrecht der Bluttat an der Grillhütte „Waldfrieden" verdächtigt worden war und einige Tage in Untersuchungshaft verbracht hatte.

„Die Polizisten haben mir Angst eingejagt“, sagte der 42-Jährige. „Sie haben gesagt, dass an meinem Messer das Blut des Getöteten war.“ Und dass man am Tatort Spuren seiner Schuhe gefunden habe. So jedenfalls war bei dem unter Betreuung stehenden Alkoholiker angekommen, womit ihn die Ermittler bei der Vernehmung unter Druck zu setzen versuchten. Beide Vorhalte erwiesen sich später als falsch.

Ein Hinweis der Witwe hatte die Polizei zu dem Trinkkumpan des Getöteten geführt. In seinem Keller hatten die Beamten ein Metzgerbeil gefunden, das sie für die mögliche Tatwaffe hielten. Eine DNA-Untersuchung ergab jedoch, dass die Blutspuren an dem Beil tierischen Ursprungs waren. Die vermeintlich beim Mord benutzten Schuhe waren schon lange nicht mehr getragen worden - was der Mann beides von Anfang an beteuert hatte, die Beamten aber nicht glaubten.

Immerhin hatten die Ermittler nach der Festnahme des stark angetrunkenen Mannes eine Nacht gewartet, ehe sie ihn vernahmen. Und sie ließen sich dabei von einer Dolmetscherin helfen - der 42-Jährige stammt aus der ehemaligen Sowjetunion und spricht bloß gebrochen Deutsch. Das hat er nicht nur mit allen drei Angeklagten, sondern auch mit den meisten Zeugen gemein. Dennoch verzichtete die Polizei bei den Vernehmungen fast immer auf einen Übersetzer. Auch als die Angeklagten - damals noch als Zeugen - erstmals befragt worden waren, hatte anders als nun vor Gericht niemand gedolmetscht. Man habe das nicht für nötig erachtet, erklärten die Beamten.

Die Verhörmethoden werden von der Verteidigung besonders genau unter die Lupe genommen, weil der älteste Angeklagte Alexandr B. (35) nach stundenlangem Befragen bei der Polizei seine Tatbeteiligung zugegeben haben soll. Mittlerweile bestreitet er jedoch, überhaupt am Tatort gewesen zu sein. Wie es zu seinem Geständnis gekommen ist, soll am Dienstag erörtert werden: Dann kommen erneut die beiden Kripobeamten, die die Mordermittlungen maßgeblich betrieben haben. (jft)

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