Klinik Kurhessen hat neuen Therapieraum – Geräte „kennen“ Patienten automatisch

Muckibude ganz chipgesteuert

Kennt seinen Patienten: Das chipgesteuerte Trainingsgerät mit Diplom-Sportlehrer Jörg Wagemann; dahinter steht Ingo Bevern (von links), Markus Hamp und Dr. Carl Bartholomäus. Fotos: Cortis

Bad Sooden-Allendorf. Muckibude wird es scherzhaft genannt, das Fitnessstudio, wo man sich auf Laufbändern und Fahrrädern abstrampeln, Gewichte stemmen oder Schweiß vergießen kann, um Rücken- oder Bauchmuskulatur zu stärken. Eine Muckibude der besonderen Art hat seit Neuestem die Klinik Kurhessen in Bad Sooden-Allendorf.

In dem Haus der Deutschen Rentenversicherung Hessen spricht man freilich von einer medizinischen Trainingstherapie oder – etwas umständlicher – von „gerätegestütztem Kraft- und Ausdauertraining“. Das ist dort ganz individuell.

Als erstes Haus am Ort verfügt die Kurhessen-Klinik über 29 hochmoderne Therapiegeräte, die allesamt chipgesteuert sind. Und das funktioniert so: Auf einer Chipkarte, wie wir sie vom Geldautomaten kennen, werden die wichtigsten Daten des Patienten gespeichert: Krankheitsbild, Größe, Gewicht, Körperproportionen bis hin zum Grad der Belastbarkeit. Sobald der Computer die Chipkarte gelesen hat, stellt sich das Trainingsgerät entsprechend der ärztlichen Verordnung automatisch auf die individuellen Bedürfnisse des Patienten ein und legt sogar die Sitzposition fest. Das Gerät „kennt“ also den Patienten, noch ehe er es benutzt. Damit, so Dr. Carl Bartholomäus, Facharzt für Orthopädie und Chefarzt der Klinik, werde sichergestellt, dass zu jedem Zeitpunkt die verordnete Trainingseinheit eingehalten und der Patient weder unter- noch überfordert werde. Auf diese Weise könnten Therapiezeiten besonders in den Abendstunden und an Wochenenden auch ohne Anwesenheit des Therapeuten erweitert werden. Mit diesen neuen Möglichkeiten könnten auch die individuellen körperlichen Anforderungen am Arbeitsplatz gezielt trainiert werden, misst Bartholomäus der beruflich orientierten Rehabilitation einen zunehmend hohen Stellenwert bei.

Von dem neuen Gerätetraining profitierten besonders die Patienten mit chronischen Lungenerkrankungen, deren körperliche Leistungsfähigkeit oft stark eingeschränkt sei, ergänzt Ingo Bevern, Leitender Arzt des internistisch-pneumologischen Fachbereichs der Klinik. Die Patienten lernten richtig zu atmen und ihre Organmuskulatur zu stärken. Und einen weiteren Vorteil hat das Chipsystem. Weil inzwischen viele ambulante Reha-Einrichtungen mit diesen Geräten ausgestattet sind, können die Patienten die Therapie am Heimatort fortsetzen, was aus Sicht der Klinik auch empfohlen wird. Von einer sehr hohen Akzeptanz und Patientenzufriedenheit spricht Jörg Wagemann. Der Diplom-Sportlehrer ist Leiter der Therapieabteilung und freut sich auch für seine Kollegen über die deutlich verbesserten Arbeitsbedingungen in den großzügig gestalteten Räumen. (zcc)

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