Oper aus dem polnischen Bytom gastierte in Witzenhausen

Nabucco Open-Air: Marktplatz wurde zur Bühne

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Das Zepter in der Hand: Der Hohenpriester Zacharia, gesungen von Cezary Biedsiadecki, mit dem Chor der Gefangenen.

Witzenhausen. Die Schlesische Oper führte Verdis Nabucco unter freiem Himmel in Witzenhausen auf.

Als die Choristen aus dem polnischen Bytom zum berühmten „Va, pensiero“ aus dem Gefangenenchor im dritten Akt ansetzten, summten einige Zuschauer unter Decken bibbernd mit. Der Witzenhäuser Marktplatz wurde am Mittwochabend Schauplatz der italienischen Oper Nabucco. Sie erzählt vom Freiheitswillen der Hebräer, die vom babylonischen König Nabucco unterdrückt werden.

Seit Jahren tourt die Schlesische Oper unter Musikalischer Leitung von Tadeusz Serafin durch Deutschland und hebt ihre Produktion von Nabucco auf die mobile Sommerbühne in die natürliche Kulisse unterschiedlichster Stadtbilder hinein. Zwischen goldenen Raubkatzenstatuen und schimmernden Mauern traten Nabuccos Babylonier mit grünen und schwarzen Plastikschläuchen um die Schultern und die gefangenen Hebräer in gelbbraunen Gewändern auf. Rechts neben der Bühne im Zelt führte Tadeusz Serafin das Orchester, aus dem vor allem die Querflöte und das Cello brillierten.

Das Publikum genoss die lockere Opernatmosphäre auf dem Marktplatz. Anette Helms und Tochter Viktoria nutzten die Gelegenheit und reisten aus Göttingen an. Vor allem der Bariton des Zacharias, gesungen von Cezary Biedsiadecki, gefiel den Helms. „Es ist eine sehr schöne Atmosphäre, trotz der Kälte.“ Die Oper hat Anette Helms in einem Amphitheater in der Nähe von Antalya in der Türkei schonmal gesehen.

Mit großen Gesten und plakativen Szenen erzählte das Ensemble aus Polen in der Originalsprache italienisch die Geschichte der babylonischen Herrschaft und der Gefangenschaft der Hebräer. Abigaille, die Tochter des Königs, kämpft um die Liebe Ismaels, dessen Herz aber an Fenena hängt, und gleichzeitig um den Platz auf dem Thron. Beides bleibt ihr am Ende verwehrt. Zur quirligen Querflöte besang die Sopranistin Malgorzata Knec-Adjukiewicz überzeugend ihr Unglück.

In der Pause zwischen den Akten vertraten sich geschätzte 730 Zuschauer die Beine und nahmen an Ständen eine kleine Stärkung zu sich. Zuhörer um den Marktplatz nutzten die Gelegenheit, doch noch einen freien Platz zu ergattern. Nach dem Gong schlugen die Besucher ihre Jackenkragen nach oben, um der Kälte unter freiem Himmel zu trotzen. Manche flüsterten: „Tolle Stimmen“.

Gesanglich eindrucksvoll war der Streit zwischen Abigaille und ihrem Vater Nabucco im dritten Akt. Mit dem Glockenschlag des Rathausturms wurde Nabucco von Wachen abgeführt.

Mit Bravorufen und Applaus im Stehen bedankte sich das Publikum bei Sängern und Musikern für die zweieinhalbstündige Aufführung. Dirigent Serafin reagierte prompt und lies den Gefangenenchor noch zweimal zum Schunkeln der Zuschauer singen.

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