Weitere Gemeinden im Kreis planen die Einführung der Pferdesteuer und wollen mit ihren Sätzen noch höher als BSA rangehen

Pferdesteuer soll weiter Schule machen

Sven Huber, Landwirt aus Lindewerra, bestellt seine Felder ganz traditionell mit dem Pferdepflug. Hier gilt das Pferd noch als Nutztier und hat mit Sport und Luxushobby wenig zu tun. Foto: Dieter Salzmann

Bad Sooden- Allendorf. Obwohl die Stadt Bad Sooden-Allendorf wegen der Einführung der Pferdesteuer von einer Welle der Empörung von Pferdehaltern aus ganz Deutschland getroffen wird, sehen die anderen Kommunen im Werra-Meißner-Kreis keine Veranlassung, ihre eigenen Pferdesteuer-Pläne fallen zu lassen.

Hessisch Lichtenau, auch eine der klammen Gemeinden im Kreis, die unter den Schutzschirm schlüpfen will, plant die Pferdesteuer 2015 einzuführen. Dabei geht die Stadt bei der Besteuerung der Vierbeiner noch deutlich weniger zimperlich ran als BSA, das 200 Euro pro Tier und Jahr haben möchte. Zirka 300 Pferde sind in Heli „gemeldet“. Je Tier will die Kommune von den Haltern 480 Euro im Jahr haben. „Wenn wir nicht irgendwo unsere Einnahmesituation verbessern, müssen wir beginnen, kommunale Infrastruktur abzubauen“, sagt Bürgermeister Jürgen Herwig (SPD) ganz deutlich. „Und dann schreien wieder andere. Ich meine schon, dass auch Pferdebesitzer belastet werden dürfen.“ Die Pferdesteuer hat in Heli bisher noch kein Gremium durchlaufen, sondern ist nur Thema in der AG Haushalt der Stadt. „Wir warten ab, ob die Steuer rechtlich Bestand haben wird“, sagte Herwig.

Auch die Stadt Wanfried hat seine Pferdehalter ins Visier genommen und will 2013 die Steuer auf politischer Ebene diskutieren. Wenn sie kommt, dann 2014, kündigte Bürgermeister Wilhelm Gebhard (CDU) an. Er spricht sich allerdings für eine kreisweite Lösung aus. „Es macht keinen Sinn, wenn eine Gemeinde die Steuer erhebt und die andere nicht. Dann hat man keine Pferde mehr und keine Steuer. “

Kritik an der Pferdesteuer, die in BSA erstmals in Deutschland eingeführt wird, übt nicht nur der Bund der Steuerzahler, der die Steuer als „sinnlose Bagatellsteuer“ geißelt, sondern auch der Naturschutzbund (Nabu). Pferde und Ponys seien vor allem für die Grünlandpflege und die spätere Heuernte wichtig, so der Vorsitzende des Nabu im Kreis, Konrad Volkhardt. Die Steuer werde zwangsläufig zu einem rapiden Bestandsrückgang führen. Auch der Pferdesportverband Hessen protestiert gegen die Steuer. Das Reiten sei der einzige Sport, der besteuert werde, sagte Thomas Ungruhe vom Verband.

Auch ökologisch ausgerichtete Landwirtschaften sind verpflichtet, Raufuttertiere zu halten. So wie der Ökobauer Jürgen Bringmann, der in Hilgershausen auf seinem Hof Fjordpferde züchtet. „Wir brauchen die Pferde zur extensiven Beweidung“, so der Landwirt. Zudem halten Pferde die Landschaft offen. Bisher ist allerdings noch unklar, ob und wie gewerblich genutzte Tiere besteuert werden.

Von Stefanie Salzmann

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