Urteil für Mittwoch erwartet

Plädoyers im Prozess um Auftrag zum Mordversuch in Werleshausen

Werleshausen. Versuchter Mord oder gefährliche Körperverletzung? Diese Frage ist die entscheidende im Prozess um die Messerattacke vom Mai 2014 in Werleshausen.

Überraschend wurde am Freitag die Beweisaufnahme vor Gericht abgeschlossen. Denn der Befangenheitsantrag des jüngeren Angeklagten gegen den psychiatrischen Gutachter war abgelehnt worden. Es sei nichts fehlerhaft gelaufen und keine Voreingenommenheit des forensischen Psychiaters Dr. Georg Stolpmann anzunehmen, hieß es zur Begründung.

Kommenden Mittwoch will die 6. Strafkammer unter Vorsitz von Richter Volker Mütze ihr Urteil bekannt geben. Bis dahin beschäftigt die drei Berufsrichter und zwei Schöffen die Frage, ob der 34-Jährige aus Stuhr bei Bremen wirklich töten wollte. Er hatte einen Mordauftrag von einem 23-jährigen Mann aus Rosenheim erhalten, das gaben im Laufe des Prozesses beide Angeklagten zu. Aber er habe nur das Geld nehmen und sich davonmachen wollen, sagte im Plädoyer sein Strafverteidiger.

Dass der nicht vorbestrafte Mann dann aber doch zum Messer griff, aber nur um zu verletzen, habe daran gelegen, dass er sich von einer mafiösen Organisation bedroht gefühlt habe. Diese Darstellung der Verteidigung nannte Staatsanwältin Angela Kleine-Kraneburg eine „reine Schutzbehauptung“ des Haupttäters.

Lebenslang in Haft soll daher auf Antrag der Staatsanwaltschaft der 34-jährige Mann, der im Mai 2014 aus „übermäßiger Gier nach Geld“ in Werleshausen einen 27-Jährigen „heimtückisch“ mit 19 Messerschnitten schwer verletzte. Ein anderer Mann wurde bei der Messerattacke leicht verletzt. Für den 23-jährigen aus Rosenheim, der aus „Neid und Missgunst“ zum versuchten Mord angestiftet habe, forderte Staatsanwältin Angela Kleine-Kranenburg am Freitag vor dem Landgericht Kassel zwölf Jahre Freiheitsentzug.

Sie nannte den Fall „in vielerlei Hinsicht speziell“. Zugleich beantragte sie, für den Haupttäter die besondere Schwere der Schuld festzustellen, was eine vorzeitige Haftentlassung unmöglich macht. Denn: „Es gab kein Zögern“, „er war bereit, über Leichen zu gehen“. Dem Anstifter zu der Messerattacke rechnete sie strafmildernd die Offenbarung des Simkarten-Verstecks nach seiner Festnahme an, mit deren Hilfe der 34-jährige Haupttäter ermittelt wurde. Dieser habe bis zuletzt eine Gefahr für das Opfer dargestellt. Eindeutig sei „die Tötung“ des neuen Liebhabers beabsichtigt gewesen, auf den der 23-Jährige eifersüchtig war, ist sich auch der Opferanwalt sicher. Der Täter habe bei seinem Angriff ein Messer gebraucht, wie es auch die IS-Kämpfer nutzten: „Eine ganz gefährliche Hieb- und Stichwaffe.“

Beide nannten in ihren Plädoyers den Vergleich zum Ziele einer Schmerzensgeldzahlung „wertlos“. Die Staatsanwältin erkannte „kein ernsthaftes Bemühen“ zur Wiedergutmachung, denn bisher sei noch kein Cent gezahlt worden.

Dreieinhalb Jahre Haft würden als Strafe für die gefährliche Körperverletzung reichen, sagte der Anwalt des Haupttäters, denn: „Was hätte ihn abhalten sollen, massiv zuzustechen, wenn er es denn gewollt hätte.“ Dass es überhaupt um versuchten Mord gehe, bezweifelte auch der Strafverteidiger des jüngeren Angeklagten und plädierte auf maximal fünf Jahre Haft.

Für den Fall, dass das Gericht auf Anstiftung zum versuchten Mord erkennen sollte, beantragte er, den Hausarzt des 23-Jährigen als Zeugen zu vernehmen. Sein Mandant habe sich in Behandlung eines Arztes für Nervenheilkunde befunden, sei mit Medikamenten behandelt und auch krankgeschrieben worden. Das alles genau in der Zeit, als er den Mordauftrag erteilte. (and)

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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