Bis zu 100 Personen beteiligt, 90 Polizisten im Einsatz

Polizeigroßeinsatz in Flüchtlingslager in Friedland

Friedland. Mutmaßlich ein ungewollter Kuss eines Irakers auf die Wange einer verheirateten Afghanin hat am Montagabend einen Großeinsatz der Polizei in Friedland ausgelöst.

Kurz nach dem Vorfall haben sich ersten Erkenntnissen zufolge andere Angehörige der jeweiligen Nationalitäten mit den Beteiligten solidarisiert und gegenseitig provoziert.

Polizisten, die auf dem Gelände des Grenzdurchgangslager als Präsenzstreife eingesetzt waren, haben die sich anbahnende körperliche Auseinandersetzung zwischen den Parteien bemerkt und laut Polizei eingegriffen, bevor es zu einer Schlägerei kam. Die beteiligte Menschenmenge wuchs dennoch von zu Beginn jeweils etwa 30 Flüchtlingen auf insgesamt etwa 100 Personen an.

Aktualisiert: 10.40 Uhr

Mit Hilfe weiterer Polizeikräfte, die nach Friedland entsandt wurden, gelang es den Beamten vor Ort, die räumliche Distanz zwischen den beiden Flüchtlingsgruppen zu vergrößern. Zu Übergriffen auf die Beamten sei es dabei trotz der sehr aufgeheizten Stimmung nicht gekommen. Die Polizei setzte Sprachmittler ein, um deeskalierend auf die aufgebrachten Menschen einzuwirken, aber auch um über Lautsprecher gezielt Personen anzusprechen und polizeiliche Folgemaßnahmen anzudrohen.

Gegen 22 Uhr habe sich die Lage entspannt. Ein Teil der Kräfte wurde daraufhin gegen 1 Uhr aus dem Einsatz entlassen. Einige Beamte verblieben noch bis 6 Uhr am Morgen vor Ort, laut Polizei ist es den Rest der Nacht aber ruhig geblieben.

Die junge Afghanin musste aufgrund eines nicht näher beschriebenen, plötzlich auftretenden Krankheitsfalles mit dem Rettungswagen in die Krankenstation des Lagers eingeliefert werden. Laut Polizei habe es sich dabei aber nicht um eine konkrete Folge der Auseinandersetzung gehandelt. Weitere Informationen über Verletzte liegen bislang nicht vor.

Der mutmaßliche Verursacher der Streitigkeiten wurde von der Polizei nach Göttingen transportiert und vernommen. Der Iraker wurde anschließend in eine andere Unterkunft verlegt, um eine erneute Eskalation in Friedland zu verhindern. Die Beamten nahmen außerdem einen unter Alkoholeinfluss stehenden Flüchtling in Gewahrsam, der durch sein Verhalten die aggressive Stimmung noch zusätzlich angeheizt hatte. Auch er wurde im Lauf der Nacht in eine andere Unterkunft gebracht.

Insgesamt waren am Abend etwa 90 Beamte der Polizeiinspektion Northeim/Osterode, der Bereitschaftspolizeien Göttingen und Braunschweig, des PP Nordhessen aus Kassel und der Polizei Göttingen in Friedland im Einsatz.

Es wurden Ermittlungsverfahren wegen Beleidigung und Körperverletzung eingeleitet.

Erst vor kurzem hatte es wegen einer Massenschlägerei im Flüchtlingszeltlager in Calden einen Großeinsatz der Polizei gegeben.

Heute Informations- und Fragestunde in Friedland 

Die aktuellen Ereignisse werden sicherlich auch bei einer Informations- und Fragestunde am heutigen Dienstag in Friedland zur Sprache kommen. Dazu hatte die Gemeinde ihre Bürger bereits vor einiger Zeit eingeladen. Beginn ist um 19.30 Uhr in der Mehrzweckhalle in Friedland. Dabei soll über die aktuelle Situation im Grenzdurchgangslager sowie über die Frage, wie es weitergeht, informiert werden. Dazu werden Vertreter von Bundes- und Landesebene erwartet, heißt es in einer Mitteilung der Gemeinde.

Mehrfach Auseinandersetzungen im Lager Friedland 

Mehrfach gab es in den vergangenen Wochen und Monaten Auseinandersetzungen im Grenzdurchgangslager Friedland:

2. September:  In einem Gebäude kommt es zu einer Schlägerei zwischen einem 22-Jährigen und einem weiteren Flüchtlingen. Beim anschließenden Einsatz werden drei Mitarbeiter des Grenzdurchgangslagers verletzt.

28. August: In einem Zelt kommt es zu einem handfesten Streit um die Beleuchtung. Zwei der Beteiligten gehen offenbar mit Stuhlbeinen aufeinander los. Bei dem Handgemenge wird niemand verletzt.

16. August: Bei der Ausgabe des Mittagessens kommt es zu einer handfesten Auseinandersetzung. Etwa 50 Flüchtlinge haben offenbar die Befürchtung, nichts mehr zu Essen zu bekommen. Bei ihnen kippt die Stimmung: Daraufhin knicken sie Äste von Bäumen ab. Außerdem wird mindestens ein Sonnenschirm ergriffen. Es kommt zu gegenseitigen Angriffen. Dabei wird eine 18-Jährige aus Eritrea verletzt. Sie erleidet eine Platzwunde über dem linken Auge.

Hier ist das Grenzdurchgangslager in Friedland

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Rubriklistenbild: © Symbolbild/Jelinek

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