Prozess zum Grillhütten-Mord: Beweise vom Tatort fehlen

Kassel/Hessisch Lichtenau. Die Anklage im Prozess um den Grillhüttenmord in Hessisch Lichtenau steht auf tönernen Füßen. Das ergab sich am Dienstag aus den Aussagen der beiden federführenden Ermittlungsbeamten.

Wie die Polizisten vor dem Kasseler Landgericht erklärten, gibt es keine objektiven Beweise für die Schuld der drei angeklagten Männer - also weder Fingerabdrücke noch Fußspuren oder DNA am Tatort.

Auch habe kein Zeuge das Trio mit seinem mutmaßlichen Opfer Waldemar B. am Abend des 8. Juli 2013 in Richtung Grillplatz „Waldfrieden“ gehen sehen. Der Nachweis stütze sich deshalb auf das, was die Angeklagten Vladimir G. (22) und Alexandr B. (35) bei der Polizei gesagt hätten.

Vor Gericht hat der jüngere der beiden bislang geschwiegen, während der ältere über seinen Anwalt mitteilen ließ, gar nicht an der Grillhütte gewesen zu sein. In ihren polizeilichen Vernehmungen waren sie redseliger gewesen, hatten sich aber auch gegenseitig widersprochen.

So gab Alexandr B. am Ende einer stundenlangen Vernehmung, an deren Anfang er noch seine Unschuld beteuert hatte, schließlich zu, am Tatort gewesen zu sein. Wo Sergej B., der 28 Jahre alte dritte Angeklagte, und Vladimir G. zugeschlagen hätten - nach einem Streit, in dem es um den schlechten Umgang des Opfers mit seiner Frau und seiner Familie gegangen sei. Vladimir G. hingegen behauptete, dass allein der 28-jährige Sergej B. auf den Mann eingeschlagen habe - aus heiterem Himmel. Und dass Alexandr B. überhaupt nicht mit dabei gewesen sei.

Von diesen widersprüchlichen Angaben glaubten die Ermittler dann das, was zu ihrer Hypothese eines gemeinschaftlichen Mords durch alle drei Männer passte. Ihr Vorgehen sorgte bei der Verteidigung für reichlich Fragen - zumal die Angeklagten nach Auffassung ihrer Anwälte bei den Vernehmungen auch noch unlauter unter Druck gesetzt worden sein könnten. (jft)

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