Altes Schulgebäude in Kleinvach

Pech bei Versteigerung: Stadt akzeptiert Kauf-Rücktritt

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Erst versteigert, jetzt wieder zu haben: die frühere Schule in Kleinvach, hier von der Rückseite aus gesehen. Fotos: Cortis 

Bad Sooden-Allendorf. Erst vor drei Wochen ist in Bad Sooden-Allendorf ein städtisches Gebäude unter den Hammer gekommen. Nun ist das alte Haus in der Hörnestraße 1 in Kleinvach wieder zu haben. Der einzige Bieter nämlich, der bei der öffentlichen Versteigerung den Zuschlag erhielt, ist vom Kauf zurückgetreten.

Und die Stadt hat das akzeptiert – eine Posse mit nicht ganz überraschendem Ausgang.

Wie berichtet, hatte der 87 Jahre alte Architekt Wolfgang Nieselt aus Bad Sooden-Allendorf die frühere Schule zum Preis von 12.000 Euro ersteigert und damit das vom Stadtparlament so festgelegte Mindestgebot sogar noch um 2000 Euro überboten. Tatsächlich aber wollte Nieselt das seit 15 Jahren leer stehende Fachwerkgebäude gar nicht haben, sondern die Auktion lediglich anschieben. Ein Schuss, der nach hinten losging.

Der Pechvogel trug sich zunächst mit dem Gedanken, das 184 Jahre alte denkmalgeschützte Gebäude mit hohem finanziellen Aufwand instand zu setzen und auf den 170 Quadratmetern zwei Wohnungen einzurichten, die er anschließend vermieten oder verkaufen wollte. Dagegen aber sperrten sich die Kreditinstitute.

„Aus Altersgründen“, so Nieselt auf Nachfrage unserer Zeitung, sei der Deal mit der Stadt letztendlich nicht zustande gekommen. Die Banken nämlich räumten keine Hypotheken mehr ein für Menschen im Alter von über achtzig Jahren. Und hundert Prozent Eigenkapital könne er nicht aufbringen. Das bestätigte auch Bürgermeister Frank Hix. Der Bieter habe keine Finanzierungsmöglichkeiten gesehen. Und weil eine Immobilie nur durch einen notariellen Kaufvertrag erworben werden könne, habe die Versteigerung „keine rechtsbindende Wirkung“, so Hix, der auch Jurist ist.

Wolfgang Nieselt

Weil die Auktion große mediale Aufmerksamkeit erregt habe, zeigte sich der Bürgermeister zuversichtlich, dass das alte Fachwerkhaus doch noch an den Mann gebracht werden könne. Auch bei der ersten Versteigerung eines städtischen Gebäudes vor zwei Jahren sei das Objekt nicht sofort, sondern erst im Jahr darauf veräußert worden. Im Fall Kleinvach könnte von Vorteil sein, dass dieser Bad Sooden-Allendorfer Stadtteil sich gerade im Dorferneuerungsprogramm befinde. Dieses Förderprogramm des Landes gewähre auf eine Nettobausumme einen Zuschuss von 35 Prozent oder maximal 45.000 Euro.

Unterdessen hat der vom Kauf zurückgetretene Architekt schon eine neue Idee, was aus dem an der Werra und an einem Fernradweg gelegenen Gebäude werden könnte: ein Kanu- und Fahrradzentrum. Jedem Investor würde er mit fachmännischem Rat zu Seite stehen, versichert Nieselt. (zcc)

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