Rentnerin rettet verletzten Fuchs

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Tierärztin Michaela Seifert: Sie hat selten Wildtiere auf ihrem Behandlungstisch. Aber weil dieser Fuchs seiner Retterin so viel bedeutete, kümmerte sie sich um ihn und übergab ihn dann einer Tierauffangstation.

Hessisch Lichtenau. Doris Kreuzer fährt regelmäßig über den Meißner, pendelt zwischen Vockerode und Kassel. Meist ohne besondere Vorkommnisse. Am Donnerstag vergangener Woche aber endete die Fahrt beim Tierarzt - mit einem verletzten Fuchs, dem außer ihr niemand helfen wollte.

Im Schnee: So hat Doris Kreuzer den verletzten Fuchs vorgefunden. Sie bahnte sich einen Weg zu ihm und brachte ihn zum Tierarzt.

„Ich bin schon ein bisschen tierverrückt“, sagt sie selbst. Aber auch ein Tier habe Gefühle und empfinde Schmerzen. Kann es sich nicht selbst helfen, müsse der Mensch ihm helfen. Der ein Jahr alte Fuchs lag abseits der Fahrbahn in der Nähe des Abzweigs nach Hausen. Und er lebte. „Wenn ich zu ihm sprach, zappelte er mit den Vorderläufen und hob den Kopf“, erinnert sich Kreuzer. Schließlich fing er sogar an, mühsam auf sie zu zu robben, laufen konnte er nicht. Doris Kreuzer wählte die 110. Der wachhabende Polizist versprach ihr Hilfe.

Und auf diese wartete die 61-jährige Rentnerin an jenem Vormittag. vergeblich. Nach einer halben Stunde rief sie erneut die Polizei an. Diesmal sagte man ihr, man habe den zuständigen Jagdausübungsberechtigten informiert, also jenen Jäger, der das Grundstück, auf dem der Fuchs lag, gepachtet hat. Laut Jagdaneignungsrecht gehört ihm das Tier. Er kann es an sich nehmen, muss aber nicht.

„Zu den Grundsätzen des Jagdrechts gehört aber auch die Verhinderung von vermeidbaren Schmerzen oder Leiden des Wildes“, sagt Torsten Brandt von der Unteren Jagdbehörde Werra-Meißner. Das Tier müsse laut einer jagdgesetzlichen Ergänzung im Tierschutzgesetz unverzüglich erlegt werden.

Als Doris Kreuzer am frühen Abend zurückfuhr, lag der Fuchs immer noch dort. Sie brachte ihn zu der Weidenhäuser Tierärztin Michaela Seifert, die das Tier wieder aufpäppelte und der Tierauffangstation in Hessisch Lichtenau übergab. Die Ärztin ist überzeugt, dass die junge Füchsin von einem Auto angefahren worden ist.

Zu Wildunfällen wird sie oft gerufen, einen Fuchs behandelt hatte sie aber erst einmal. „Ich kann verstehen, dass die Polizei wegen eines kleinen Fuchses nicht gleich rausfährt, aber man hätte mit Frau Kreuzer, die um Hilfe gebeten hat, umsichtiger umgehen können“, sagt sie. Rein rechtlich hat die Polizei, so stellt Rechtsanwalt Lutz Bergner fest, sich richtig verhalten. „Der benachrichtigte Jagdausübungsberechtigte hätte selbst kommen oder einen Vertreter schicken müssen“, sagt er. Nur wenn Gefahr im Verzug ist, müsse die Polizei sofort handeln. Hätte der verletzte Fuchs im Straßengraben gelegen, wäre die Straßenmeisterei zuständig gewesen.

Aber, und so sieht es auch Rainer Stelzner, Vorsitzender des Jagdvereins Hubertus im Kreis Eschwege, verpflichtet ist der Jäger nicht: „Das ist eine moralische Sache. Aus Tierschutzgründen hätte der Fuchs niemals so lange dort liegen dürfen.“ Die meisten Jäger würden seiner Erfahrung nach auch sofort hinfahren. Der in diesem Fall betroffene Jäger war für eine Stellungsnahme gestern nicht zu erreichen.

Grundsätzlich rät Stelzner davon ab, verletztes Wild einfach so mitzunehmen. Nicht nur, weil es - gerade auf privatem Gebiet - strafbare Wilderei wäre, sondern auch, weil das Tier krank sein könnte.

Von Stefanie Müller

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