Gericht lehnt Antrag ab: Richter durfte im Mordprozess schmunzeln

Kassel/Hessisch Lichtenau. Im Prozess um den Grillhüttenmord in Hessisch Lichtenau ist am Freitag auch der zweite Befangenheitsantrag abgewiesen worden. Verteidiger Mutlu Günal hatte das Ablehnungsgesuch gegen einen der beisitzenden Richter am Montag gestellt, weil dieser über einen Witz auf Kosten eines Angeklagten geschmunzelt hatte.

Der Schwager des getöteten Waldemar B. hatte sich während seiner Zeugenvernehmung am Montag unvermittelt an den Hauptangeklagten Sergej B. (28) gewandt und ihn gefragt, ob er „gut gefüttert wird im Knast“. Weil der Richter darauf wie viele Zuschauer mit Heiterkeit reagiert hatte, hielt ihn der Verteidiger für voreingenommen.

Das Gericht erklärte das nun jedoch für unbegründet. „Das beanstandete Schmunzeln gibt dem Angeklagten bei vernünftiger Würdigung keinen Anlass an der Unparteilichkeit des Richters zu zweifeln“, sagte Strafkammervorsitzender Volker Mütze. Es könne nicht als „Billigung einer Verhöhnung“ verstanden werden - und schon gar nicht als Gleichgültigkeit gegenüber einer Bedrohung. Denn dass sich Sergej B. durch die Worte des Zeugen bedroht gefühlt haben soll, sei „nicht nachvollziehbar“.

Rechtsanwalt Günal hatte bereits zum Prozessauftakt einen Befangenheitsantrag gegen die gesamte Strafkammer gestellt. Auch dieser Antrag, der sich auf die lange Dauer zwischen Anklageerhebung und Verhandlungsbeginn stützte, war erfolglos geblieben. (jft)

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