In der Provinz Heilongjiang half Rainer Schinkel beim Aufbau einer Brauerei

Schinkels Bier für China

Schmeckt gut: Das naturtrübe helle und auch das dunkle Bier von Rainer Schinkel (rechts) besteht die Probe bei Sijun Lu, dem Chef der neuen Brauerei im chinesischen Harbin. Foto: privat

Witzenhausen. In China, konkret in Harbin, der Hauptstadt der Provinz Heilongjiang, wird seit Kurzem Witzenhäuser Bier gebraut. Wie kam es denn dazu?

Rainer Schinkel, der Chef von Schinkels Brauhaus, lernte während eines seiner Bierseminare in Witzenhausen den Neffen des Inhabers der zukünftigen Brauerei in der Fünf-Millionen-Metropole Harbin kennen. „Sie fragten, ob ich sie beim Aufbau der neuen Brauerei unterstützen könnte“, erzählt Schinkel. Und das tat der Braumeister sehr gern. „Sijun Lu holte Angebote von Anlagenfirmen ein und schickte sie mir zum Prüfen.“ Als die Brauanlage stand, flog Schinkel nach China, um sich alles vor Ort anzusehen und einen Testlauf zu starten. „Ich habe unter anderem geprüft, ob die Motoren richtig angeschlossen und die Tanks dicht sind“, sagt der 53-Jährige.

Und er brachte etwas ganz Wichtiges mit nach Harbin: Das Rezept für das original Witzenhäuser Bier. „Sijun Lu wollte unbedingt deutsches Bier brauen.“ Denn wenn ein Bier aus Deutschland stamme, sei dies das beste Qualitätsmerkmal. „In China wird auch Bier gebraut, aber das schmeckt eher, als ob man normales Bier mit Wasser vermischt hätte“, sagt Schinkel und lacht. Denn nur das deutsche Bier muss nach dem Reinheitsgebot gebraut werden. Mehr als Hopfen, Malz, Hefe und Wasser darf nicht rein. Deswegen komme das Bier aus Witzenhausen auch besonders gut bei den Chinesen an, weiß Schinkel.

Mittlerweile fließt das Bier in der chinesischen Brauerei täglich. „Die ersten Biere wurden jetzt nachgebraut“, erzählt Schinkel. „Ich erhalte immer noch Nachfragen zu den Produktionsschritten, aber ich denke, das spielt sich dort ganz schnell ein.“ Anfang Dezember will Sijun Lu eine Gaststätte in einem großen Einkaufszentrum in Harbin eröffnen. Das Witzenhäuser Bier soll dann auch auf der Getränkekarte stehen. „Für das deutsche Bier bezahlen die Chinesen dann auch gerne das Dreifache von dem, was ein chinesisches Bier kostet“, erzählt Schinkel. Bier nach deutschem Rezept sei nämlich nicht einfach zu bekommen. „Die Rohstoffe dafür sind sehr teuer und das Brauverfahren aufwendig.“ 150 000 Liter Bier sollen nun pro Jahr in der chinesischen Brauerei hergestellt werden. (cha/sff)

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