Neues Konzept wird erarbeitet

Schließung öffentlicher Toiletten: Die Stadt rudert zurück

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Bleibt am Wochenende offen: das WC am Rathofplatz. Offenbar aufgeschreckt durch medialen Wirbel - hier wird der bislang mit dem regelmäßigen Reinigen der Toiletten beauftragte von einem Fernsehteam interviewt - hat die Stadt Bad Sooden-Allendorf ihr Konzept geändert.

Bad Sooden-Allendorf. In Sachen öffentlicher Toiletten rudert die Stadt Bad Sooden-Allendorf zurück. Abweichend von dem Vorhaben, fast sämtliche stillen Örtchen zum 1. Februar zu schließen, soll es künftig auch im Zentrum von Allendorf zumindest eingeschränkt möglich sein, einem dringenden Bedürfnis nachzukommen.

Bürgermeister Frank Hix (CDU) und Bauamtsleiter Helmut Franke legten am Donnerstagnachmittag ein entsprechendes neues Konzept vor. Damit reagierten sie offensichtlich auf den medialen Wirbel zu diesem Thema. Demnach bleibt es dabei, dass die Toiletten in der Pfennigstube in Sooden sowie die Behindertentoiletten im Kultur- und Kongresszentrum beziehungsweise am Rathof in Allendorf weiterhin zugänglich sind.

Zusätzlich bietet die Stadt ab sofort Alternativen an, nämlich mit den Anlagen im Kellergeschoss der Werrataltherme und im Rathaus, jeweils zu den Öffnungszeiten, ferner jeden Donnerstag zum Markttag zwischen 9.30 und 12 Uhr mit den Toiletten in der Altentagesstätte.

Übernahme durch Vereine?

Anders als bisher geplant, soll die Toilette am Rathofplatz in Allendorf am Wochenende geöffnet bleiben. Das gelte zumindest bis zum Abschluss von Verhandlungen mit Vereinen, die laut Hix gegebenenfalls bereit sind, dieses WC einschließlich Gebäude mit Vereinsräumen zu übernehmen. Auch die Toiletten an den Bruchteichen könnten bei der Übernahme durch einen Verein geöffnet bleiben.

Nach wie vor sind die Behindertentoiletten nur mit dem so genannten Euroschlüssel zu öffnen, der für 20 Euro im Servicebüro des Rathauses erworben werden kann, aber nur an Menschen mit Handicap ausgegeben wird, die tatsächlich auf eine Behindertentoilette angewiesen sind. Als Beispiele nannte Hix schwer Gehbehinderte, Rollstuhlfahrer, Stomaträger, Blinde, Schwerbehinderte, die auf fremde Hilfe angewiesen sind, und Menschen, die an Multipler Sklerose, Blasenschwäche oder einer Darmerkrankung leiden. Um Missbrauch auszuschließen, müssten im Schwerbehindertenausweis entsprechende Vermerke enthalten sein oder ein ärztliches Attest vorgelegt werden.

Bon-System in Planung

Der Bürgermeister wies darauf hin, zusammen mit dem Stadtmarketing und dem Hotel- und Gaststättengewerbe arbeite man an einem Bon-System analog den Toiletten auf den Autobahn-Rastplätzen. Danach soll die Toilettennutzung in den Hotels und Gaststätten kostenpflichtig werden. Im Gegenzug könne der Betrag als Verzehrgutschein wieder eingelöst werden. Dieses System solle bis zum Saisonbeginn im April auf den Weg gebracht sein.

Nach wie vor hält die hoch verschuldete Stadt mit der Schließung beziehungsweise nur noch eingeschränkten Nutzungsmöglichkeit öffentlicher Toiletten an dem Ziel fest, jährlich 30.000 Euro an Personal- und Materialkosten einzusparen.

Von Christoph Cortis

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