Gasthaus in Weißenbach wurde prämiert

Jausenstation mit neuem Chef

Schlüsselübergabe: Die Schwestern (von links) Roswitha Pflüger und Marion Ackermann-Weiland übergeben die Führung der Jausenstation in Weißenbach an Matthias Pflüger, den Sohn und Neffen, und seine Freundin Nicole Blaß. Foto: Stück

Weißenbach. Sie haben ihm ein bestelltes Feld übergeben. Roswitha Pflüger und Marion Ackermann-Weiland geben nach 25 Jahren an vorderster Front der Jausenstation in Weißenbach die Verantwortung ab. Mit Matthias Pflüger haben sie die Nachfolge innerhalb der Familie geregelt.

Der Sohn von Roswitha Pflüger und Neffe von Marion Ackermann-Weiland ist seit Jahren im Betrieb integriert und führt seit Anfang des Jahres die Geschäfte. Am Montag erfolgte die offizielle Schlüsselübergabe.

Matthias Pflüger, der ursprünglich Elektroinstallateur gelernt hat, hat immer seinen Platz im Betrieb von Mutter und Tante gesucht. Als Fleischer, der unter anderem die mehrfach prämierte Wurst herstellt, hat er seine Berufung gefunden. Dabei ist er absoluter Quereinsteiger. Das Fleischer-Handwerk hat er sich bei einem erfahrenen Hausschlachter abgeschaut. Ohne eine Lehre als Metzger absolviert zu haben, hat er sich für die Meisterprüfung angemeldet. „Weil ich schon ein anderes Handwerk gelernt hatte, war das möglich“, erzählt der neue Chef der Jausenstation. Unter seiner Regie ist die Vermarktung der Fleischwaren enorm gestiegen. Drei Schweine pro Monat wurden anfänglich verarbeitet. Heute sind es sieben bis zehn pro Woche. Eines hat er aber von Mutter und Tante übernommen: die Bewahrung des Ur-Geschmacks. Die Lebensmittel, die in der Jausenstation angeboten werden, kommen ohne Geschmacksverstärker aus.

Diese Prämisse haben die Schwestern Roswitha und Marion Ende der 1980er-Jahre ausgegeben, als sie die Jausenstation planten. Am 11. November, in einer Zeit als sich für viele Menschen das Leben im ehemals geteilten Deutschland drehte, wurde auch für die Frauen aus dem Großalmeröder Stadtteil alles anders. Von nun ab drehte sich alles um ihre Gaststätte. Familie und Freunde mussten sich unterordnen. Die beiden Frauen nahmen das in Kauf. Obwohl viele ihnen keine rosige Zukunft bescheinigten.

Allen Kritikern haben sie das Gegenteil bewiesen. Nach 25 stressigen Jahren ziehen sie sich in die zweite Reihe zurück. Ganz lassen können sie nicht von ihrer Jausenstation: Denn trozt Stress und Arbeit sagen die Schwestern: „Wir haben den schönsten Beruf der Welt."

Von Tobias Stück

 

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