Weder Automat noch Zubegleiterin verkauften Mani Meschgbu einen Fahrschein

Schwarzfahrer wider Willen: 50-Euro-Schein wurde nicht akzeptiert

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Wurde trotz 50-Euro-Schein in der Geldbörse von Cantus als Schwarzfahrer eingestuft: Mani Meschgbu war Mitte August von Bad Sooden-Allendorf nach Eichenberg unterwegs.

Witzenhausen. 50-Euro-Schein und kein Fahrscheinkauf möglich: Weder der Automat noch die Zugbegleiterin akzeptierten den Geldschein von Mani Meschgbu.

Er hatte einen 50-Euro-Schein dabei, um sich ein Fahrticket zu kaufen. Doch weder der Automat noch die Zugbegleiterin nahmen sein Geld an. Am Ende wurde er als Schwarzfahrer deklariert. Passiert ist dies Mani Meschgbu. Er war Mitte August mit einem Zug der Cantus Verkehrsgesellschaft von Bad Sooden-Allendorf nach Eichenberg unterwegs.

Was ist passiert?

Da es am Bahnhof in Bad Sooden-Allendorf weder einen Fahrkartenschalter noch einen Fahrkartenautomaten gibt, war Mani Meschgbu auf die Zahlung im Zug angewiesen. Doch der Automat von Cantus akzeptierte den 50-Euro-Schein nicht, EC-Kartenzahlung ist erst ab zehn Euro möglich. Der Fahrtpreis betrug allerdings nur 5,40 Euro.

Meschgbu suchte die Zugbegleiterin auf und erklärte sein Dilemma. „Die Frau weigerte sich, mir eine Fahrkarte zu verkaufen. Sie sei nicht verpflichtet, einen 50-Euro-Schein anzunehmen und zu wechseln", sagt Meschgbu. Die Zugbegleiterin stellte ihm daraufhin ein erhöhtes Beförderungsentgelt in Höhe von 60 Euro aus: „Ich wurde somit zum Schwarzfahrer, obwohl ich das Geld für den Fahrschein hätte bezahlen können." Da es zwischen Bad Sooden-Allendorf und Eichenberg keine weitere Haltestelle gibt, hatte Meschgbu somit keine Möglichkeit, den Schein zu wechseln oder an einem Automaten ein Ticket zu kaufen.

Was sehen die AGB vor?

In den Cantus-Beförderungsbedingungen ist festgelegt, dass für die Linie R7 Göttingen-Eschwege-Bebra - in diese fällt die Strecke Bad Sooden-Allendorf und Eichenberg - die Beförderungsbedingungen des Nordhessischen Verkehrsverbundes (NVV) gelten. Dort ist in § 7 Zahlungsmittel geschrieben, dass das Fahrtgeld abgezählt bereitgehalten werden soll. „Das Fahrpersonal ist nicht verpflichtet, Geldbeträge über fünf Euro zu wechseln", heißt es in dem Dokument. Außerdem steht darin: „Soweit das Fahrpersonal Geldbeträge über fünf Euro nicht wechseln kann, ist dem Fahrgast eine Quittung über den zurückbehaltenen Betrag auszustellen. Es ist Sache des Fahrgastes, das Wechselgeld unter Vorlage der Quittung bei der Verwaltung des Unternehmers abzuholen. Ist der Fahrgast mit dieser Regelung nicht einverstanden, hat er die Fahrt abzubrechen."

Wie geht es weiter?

Mani Meschgbu will das erhöhte Beförderungsentgelt nicht bezahlen. „In den Beförderungsbedingungen des NVV ist festgelegt, dass mir die Zugbegleiterin eine Quittung hätte ausstellen müssen", erklärt der 52-Jährige. Er fordert eine klare Handhabung in Fällen wie seinem: „Der Kunde darf nicht aus Unwissenheit zum Schwarzfahrer werden."

Das sagt Steffen Müller vom NVV:

Die Automaten in den Zügen führen nur eine begrenzte Anzahl an Wechselgeld mit sich. „Dies liegt an der Größe und an dem Gewicht des Automaten. Beim Fahrkartenkauf gibt der Automat keine Scheine zurück, sondern nur Münzgeld", erklärt Steffen Müller, Vize-Ersatz-Pressesprecher des Nordhessischen Verkehrsverbundes (NVV). Ein Fahrpreis ab 30 Euro könne mit einem 50-Euro-Schein bezahlt werden.

EC-Kartenzahlung ab zehn Euro sei laut Müller eine gängige Regelung: „Unter zehn Euro sind die zu zahlenden Gebühren für die EC-Kartenzahlung in Relation zum Kaufpreis zu hoch." Diese müsse sonst der Kunde wie in jedem anderen Geschäft zusätzlich zum Ticketpreis zahlen. Das wolle man dem Kunden ersparen.

Laut den Beförderungsbedingungen des NVV gibt es eine Quittungsregelung. „Diese Regelung wird in Cantus-Zügen, die zwischen Fulda, Göttingen und Kassel verkehren, nicht angewendet, da es für den Kunden sehr umständlich wäre, wieder an sein Geld zu kommen", sagt Müller. Hierzu müsse der Kunde nach Kassel zur Cantus Verkehrsgesellschaft gehen.

„Grundsätzlich sollte der Kunde sein Kleingeld oder nahezu passendes Geld vor Fahrtantritt bereithalten", rät Müller.

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