Abschiebeverfahren gegen Familie aus dem Kosovo ausgesetzt – Duldung bis Oktober

Selimis dürfen bleiben

Freude über den Erfolg der Protestaktion: Denis Selimi, Schulleiter Lothar Steinfeld und Erdin Selimi sind erleichtert, dass das Abschiebeverfahren ausgesetzt wurde und sie damit Zeit gewonnen haben. Ihre Duldunspapiere halten die Jungs fest in der Hand. Foto: Vorrath

Witzenhausen. Fast wäre die Familie Selimi aus Witzenhausen in den Kosovo abgeschoben worden. Die Schülerschaft der Johannisberg-Schule hatte sich im März mit einer Protestaktion für ihre Mitschüler Erdin und Denis Selimi eingesetzt (wir berichteten). Jetzt kann die Familie erst mal durchatmen: Ende April erhielten die Selimis eine Duldung bis Oktober.

„Der Petitionsausschuss des Hessischen Landtags prüft jetzt die Petition für den Verbleib der Familie in Deutschland“, erklärt Martin Röder von der Flüchtlingsberatung des Diakonischen Werks. Solange werde das Abschiebungsverfahren ausgesetzt. Deshalb habe die Familie die Duldungspapiere erhalten. „Jetzt kommt es darauf an, wie schnell der Ausschuss entscheidet.“ Es gehe darum, weiter Zeit bis zur Änderung des Aufenthaltsgesetzes zu gewinnen. „Dann können Familien integrierter Jugendlicher im Land bleiben, sofern sie bereits vier Jahre in Deutschland wohnen“, sagt Röder. Wegen der großen Unterstützung in der Öffentlichkeit rechnet der Flüchtlingsberater den Selimis gute Chancen aus.

Der Leiter der Johannisberg-Schule, Lothar Steinfeld, hat die Petition für die Selimis gestellt. „Der Präsident des Landtags hat mir bestätigt, dass die Petition samt der 900 Unterschriften unserer Protestaktion beim Ausschuss abgegeben wurde“, berichtet er. Auch die Abgeordneten Sigrid Erfurth (Grüne), Lothar Quanz (SPD) und Dirk Landau (CDU) hätten nochmals ihre Unterstützung zugesagt.

Erdin und Denis Selimi sind froh, dass sie erst mal Zeit gewonnen haben: „Die Freude war groß, als unser Vater mit den Papieren aus Eschwege zurückkam.“ Gemeinsam mit ihren Eltern Kenan und Sukrigu sowie ihren Geschwistern Elma und Elmedina Selimi können sie weiter in ihrer Wohnung in der Witzenhäuser Kernstadt wohnen. „Nicht nur unsere Mitschüler haben uns sehr unterstützt, auch unsere Teamkameraden vom Fußball haben sich an der Unterschriftenaktion beteiligt.“ Von der überwältigenden Unterstützung kann auch Lothar Steinfeld berichten: „Nach unserer Protestaktion an der Schule haben sich etliche Grundschulen und Kindergärten gemeldet, die helfen wollten.“ Auch zahlreiche Eltern hätten Briefe an die Schule geschickt oder telefonisch ihre Unterstützung zugesagt.

2011 kamen die Selimis aus dem Kosovo nach Deutschland. Seitdem bemüht sich die Roma-Familie sehr, um sich in die Gesellschaft zu integrieren. „Erdin und Denis haben an unserer Schule zusätzlichen Deutschstunden genommen, um dem regulären Unterricht folgen zu können“, berichtet Steinfeld und sagt: „Es wäre traurig, wenn all die Mühe umsonst gewesen wäre.“

Von Jonathan Vorrath

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