Sonntag feiert das Grenzmuseum Schifflersgrund 25-jähriges Bestehen

Ausstellung auf der Heyer: Stefan Heuckeroth-Hartmann vor dem hölzernen Wachturm, in dessen Nähe es am Sonntag eine Ausstellung gibt. Foto: Demmer

Bad Sooden-Allendorf."Wir dachten vor 25 Jahren nicht, dass es sich so entwickeln wird", sagt Stefan Heuckeroth-Hartmann, Zweiter Vorsitzender des Arbeitskreises Grenzinformation. Am 3. Oktober 1991 öffnete das Grenzmuseum Schifflersgrund bei Bad Sooden-Allendorf zum ersten Mal seine Pforten.

Im Laufe des vergangenen Vierteljahrhunderts haben rund eine Million Gäste das Museum besucht, das immer weiter gewachsen ist. Am Sonntag, 2. Oktober, wird das Jubiläum mit Bürgerfest und offiziellem Festakt gefeiert.

Im Grenzgebiet groß geworden, erlebte Heuckeroth-Hartmann, dass bereits kurz nach der Wende, 1990, viele der „mörderischen Anlagen“, wie er sie nennt, abgebaut wurden. Gemeinsam mit dem Vereins-Vorsitzenden Wolfgang Ruske und weiteren engagierten Jugendlichen aus Ost und West beschloss er auf die Idee seines Vaters Hans-Wilhelm hin, die Anlage mit Turm auf dem ehemaligen Todesstreifen zwischen Hessen und Thüringen zu erhalten und zum Museum auszubauen. Mit der Intention, darzustellen: „Zäune sind keine Lösung“, sagt er. „Es gibt vieles, was wir aus Geschichte lernen können.“

Wohin es führen könne, wenn ein totalitäres Regime Angst und Schrecken verbreitet, könne man im Grenzmuseum erfahren, sagt Heuckeroth-Hartmann. Auch heute noch sei die politische Aktualität gegeben.

Im Laufe der Jahre baute das Museum unter anderem eine große Sammlung an technischem Gerät - seien es Abhör-Wagen oder militärische Hubschrauber - auf. Durch die Technik bekommen sie einen emotionalen Zugang zur jungen Generation, erklärt Heuckeroth-Hartmann. Schon heute bietet das Museum Workshops für junge Menschen an, in denen diese zum Beispiel an historischen Fahrzeugen schrauben dürfen.

Wichtig ist Heuckeroth-Hartmann auch die Aufarbeitung, die im Museum stattfindet. Die Opfer hätten keine große Plattform. Daher sei es Aufgabe des Museums, diese zu bieten. Einige hielten zum Beispiel Lesungen oder verarbeiten ihre Erlebnisse durch Kunst. Etliche Objekte stehen rund um das Museum und können erwandert werden.

Für die nächsten Jahre hat sich der Verein, der heute über rund 100 Mitglieder verfügt, viel vorgenommen - unter anderem „die Reizüberflutung reduzieren“, wie Heuckeroth-Hartmann es nennt. Dazu gehört, dass die großen Fahr- und Fluggeräte künftig vom Platz rund um den Turm weichen und neben dem im Bau befindlichen Eichsfeldcenter aufgebaut werden. In diesem Zuge werden sachfremde Exponate wie Polizeiautos entfernt.

Der so frei gewordene Raum soll genutzt werden, um den Todesfall von Heinz-Josef Große greifbarer zu machen. So soll zum Beispiel der Bagger, mit dem Große den Zaun überwand und der bisher eher versteckt am Rand des Geländes steht, prominenter gezeigt werden. Zudem soll eine Plattform entstehen, die auch größeren Gruppen einen Blick auf die Stelle im Niemandsland zeigt, an der Große erschossen wurde. Zudem soll ein Pavillon mit der Geschichte der 27 Opfer entstehen. In drei bis vier Jahren, so hofft der Zweite Vorsitzende, ist ein großer Teil der Arbeiten erledigt. 

Von Nicole Demmer

• Das Fest wird am Sonntag, 2. Oktober, um 10 Uhr offiziell eröffnet. Bis 18 Uhr werden sich Institutionen, die dem Museum verbunden sind, auf dem Gelände vorstellen.

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