Er entwickelte das Sodawasser und begründete den Getränkekonzern

Die spritzige Idee des Herrn Schweppe aus Witzenhausen

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Jacob Schweppe im Alter über 50: Dieses Porträt des gebürtigen Witzenhäusers entstand während seines Aufenthalts in London 1792 bis 1799.

Heute schon geschweppt?“ Diese Frage aus der Werbung kennen viele Menschen. Eher unbekannt ist die Herkunft des Erfinders des Sodawassers: Er stammt aus Witzenhausen.

Jacob Schweppeus war es, der die überall auf der Welt erhältliche Getränkemarke „Schweppes“ gegründet hat. Die Marken- und Vertriebsrechte werden in Deutschland seit 2006 von der Krombacher Brauerei gehalten.

Vor 275 Jahren, genau am 16. März 1740, wurde Jacob Schweppeus – so die damalige Schreibweise – in der evangelischen Liebfrauenkirche der Kirschenstadt im Werratal, getauft. Vermutlich war der Sohn des Seilers Conrad Schweppe da wenige Tage alt, weil früher wegen hoher Säuglingssterblichkeit schnell getauft wurde.

Jacob Schweppe im Alter über 50: Dieses Porträt des gebürtigen Witzenhäusers entstand während seines Aufenthalts in London 1792 bis 1799.

Jacob Schweppe, der nach wie vor von der eigenen Firma als Johann Jacob Schweppe vorgestellt wird, kam auf der Südseite des Marktplatzes in dem Haus zur Welt, an dessen Stelle später der heute nicht mehr nutzbare Löwensaal errichtet wurde und im Erdgeschoss die HNA/Witzenhäuser Allgemeine ihr Domizil hat. Das hat Witzenhausens Stadtarchivar Matthias Roeper herausgefunden. Dass der berühmte Schweppes-Gründer aus Witzenhausen stammt, fiel schon 1980 dem damaligen Dekan Christoph Bachmann beim Blättern in alten Kirchenbüchern auf.

Schweppes Geburtshaus steht nicht mehr, die Liebfrauenkirche freilich schon. Und vom Schulhaus, das Klein-Jacob einst besucht haben muss, ist gegenüber dem heutigen Haupteingang der Kirche noch die linke Hälfte vorhanden.

Dank des von ihm entwickelten „Geneva-Systems“ stellte Jacob Schweppe als erster kohlensäurehaltiges Mineralwasser in großen Mengen her. Verkaufen konnte er das prickelnde Wasser jedoch noch nicht, denn die Bläschen blieben erst nicht in der Flasche. Deshalb griff er zu einem Trick: Die Flasche in Form eines Eies, die nur liegend gelagert werden konnte. Dadurch blieb der Korken immer feucht und die Koh- lensäure in der Flasche.

Zunächst mit einem Kesselflicker auf Wanderschaft gegangen, machte Jacob Schweppe eine Lehre bei einem Silberschmied und anschließend eine Ausbildung zum Juwelier. Der Firmengeschichte zufolge ließ sich der Witzenhäuser dann 1765 oder 1766 in Genf nieder, stellte Schmuck her und forschte zudem auf den Gebiet der Chemie. Dabei entwickelte er ein Verfahren, bei dem sich Wasser mit Kohlensäure versetzen lässt. Diese Erfindung ließ sich Schweppe 1783, anfangs angeblich für medizinische Zwecke, patentieren. Im Jahr 1790 gründete er mit einem Mechaniker und einem Apotheker in Genf eine Fabrik zum Herstellen von Sodawasser, zwei Jahre später eine Niederlassung in London an der Drury Lane. Schweppes Partner stiegen 1796 aus dem Londoner Geschäft aus, er selbst verkaufte 1802 drei Viertel seines Kapitals und setzte sich in Bouchet bei Genf zur Ruhe. Auf seinem Landsitz starb Jacob Schweppe 81-jährig am 18. November 1821.

Sein Name aber lebt weiter und ist heute auf der ganzen Welt bekannt.

Witzenhausen zur Zeit Schweppes: „Dann und wann“ ein Fässchen Bier

(Ein Auszug aus dem Witzenhäuser Stadtarchiv)

Zur Zeit von Jacob Schweppe bestand die Stadt Witzenhausen aus 332 Häusern oder Feuerstätten, in denen 332 Männer, 391 Frauen, 367 Söhne, 383 Töchter, 70 Knechte, 82 Mägde, also insgesamt 1625 Menschen lebten.

Zudem werden 58 Juden gezählt: 10 Männer, 15 Frauen, 15 Söhne, 14 Töchter, ein Knecht und drei Mägde. Das geht aus der Katastervorbeschreibung der Stadt Witzenhausen im Witzenhäuser Lager-, Stück- und Steuerbuch hervor, das 1745 angelegt wurde.

Hauptsächlich verdingten sich die Männer als Leineweber (82), Schuhmacher (41) und Metzger (28). In 136 Häusern durfte Bier gebraut werden. Die Genehmigung war mit der Verpflichtung verbunden, bei Einquartierungen von durchziehenden Truppen „beweibte Soldaten einzunehmen“ und bei Fürstenlagern gar die Pferde und Knechte unentgeltlich zu beherbergen.

Es gibt drei Herbergen – den Löwen, den Engel und den Hirschen –, die sich „nur dann und wann“ ein Fässchen Bier für einkehrende Fremde ins Haus legen dürfen, nicht aber „über die Straße“ verkaufen.

Beliebter als Bier waren damals sowieso Wein und Branntwein, die die Stadtkämmerei im Stadtkeller unter dem Rathaus ausschenken ließ. Die Häuser in der Stadt werden als größtenteils sehr baufällig und ohne großen Wert erachtet.

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