Klinikum und Aufwind wollen verstärkt auf Prävention setzen

Starker Anstieg: Immer mehr Menschen im Kreis sind psychisch krank

Werra-Meißner. Der Trend ist deutlich: Die Zahl der Menschen im Werra-Meißner-Kreis, die unter psychischen Erkrankungen leiden, ist stark gewachsen.

Innerhalb der vergangenen fünf Jahre sind die Behandlungszahlen des Klinikums Werra-Meißner um 40 Prozent gestiegen, sagte Martin von Hagen, Chefarzt des Zentrums für Psychiatrie und Psychotherapie am Klinikum.

Im vorigen Jahr wurden etwa 2500 Menschen in den Ambulanzen des Klinikums behandelt. Fünf Jahre zuvor waren es noch etwa 1500. Die Zahl der stationären Behandlungen lag im vergangenen Jahr bei 1284, knapp neun Prozent mehr als ein Jahr zuvor. „Wir können ambulant viel auffangen“, sagte von Hagen.

Von Bedeutung sei die Zusammenarbeit mit dem Verein Aufwind, der Menschen mit psychischen Erkrankungen im gesamten Kreis Angebote macht. Auch diese werden stärker angenommen. Das geht aus dem Jahresbericht hervor, den Aufwind erstmals veröffentlicht hat. Vor fünf Jahren lag die Zahl der Klienten, die entgeltbezogene Leistungen in Anspruch genommen haben, bei etwa 180. Im vorigen Jahr waren es bereits 278, berichtete Geschäftsführer Matthäus Mihm.

Wegen des steigenden Bedarfs weite Aufwind seine Angebote aus. Zunächst war der Verein fast ausschließlich im Raum Eschwege aktiv, inzwischen sind auch Angebote im Raum Witzenhausen geschaffen worden. „Wir wollen mehr in der Prävention tun, damit es erst gar nicht zu einer so intensiven Betreuung kommen muss“, sagte Mihm.

Weniger Tabus

Als Gründe für den Anstieg nennen Mihm und von Hagen die allgemeine Zunahme von psychischen Erkrankungen. Sie würden nicht mehr so tabuisiert wie noch vor einigen Jahren. Zu einem Großteil gebe es wirtschaftliche Ursachen. Zwar ist die Arbeitslosigkeit zurückgegangen, doch die Zahl der Langzeitarbeitslosen sei davon kaum berührt.

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