In Witzenhausen an B80

Tankstelle erst im Frühjahr fertig: Archäologen untersuchen vorher Areal

+
Besondere Entdeckung: Die HNA-Witzenhäuser Allgemeine berichtete am 6. Juni 1990 über die archäologischen Funde auf dem Motzplatz.

Witzenhausen. Wer künftig direkt an der Bundesstraße 80 in Witzenhausen tanken will, muss sich bis mindestens Ende März gedulden.

Denn die HEM-Tankstelle, die vom Tankstellen-Konzern Tamoil auf dem Motzplatz gebaut werden soll, wird voraussichtlich nicht vor Ende des ersten Quartals 2016 fertig. Das bestätigte Tamoil-Sprecherin Monika Wagner auf Anfrage.

Demnach hoffe man, Ende November mit den Bauarbeiten beginnen zu können, sagt Wagner. Baustart und Baufortschritt hingen allerdings vom Wetter ab. „Im Sommer kann so eine Tankstelle innerhalb von drei Monaten gebaut werden“, so Wagner. „Lange Frostperioden oder starker Schneefall im Winter können die Fertigstellung verzögern.“ Im März, als die Stadtverordneten den Verkauf des Motzplatzes für 225 000 Euro beschlossen, war noch von einem Baubeginn im Sommer und einer Eröffnung im Herbst die Rede gewesen. Derzeit bereitet Hessen Mobil schon die Linksabbiegerspur von der B 80 auf das Tankstellengelände vor.

Bevor jedoch Tanks für Diesel und Benzin auf dem Motzplatz eingebaut werden können, müssen Archäologen das Areal unter die Lupe nehmen. Denn während des B-80-Ausbaus im Jahr 1990 wurde auf dem an den Motzplatz angrenzenden Bereich der heutigen Straße ein Bodendenkmal gefunden. Dabei handelt es sich um Reste einer eisenzeitlichen Siedlung, die Arbeitsgemeinschaft Archäologie entdeckte unter anderem Reste von Kreamik und Hinweise auf eine Urnenbestattung. „Sie stammen aus der Zeit kurz vor und kurz nach Christi Geburt“, sagt Bezirksarchäologe Dr. Klaus Sippel vom Landesamt für Denkmalpflege.

Deshalb erhielt Tamoil nun von Sippel die Auflage, vor Baubeginn eine Erkundungsgrabung zu veranlassen, die von einer vom Landesamt für Denkmalpflege akzeptierten archäologischen Fachfirma vorgenommen werden muss. Dabei muss der Oberboden unter Aufsicht der Archäologen etwa 30 bis 40 Zentimeter tief abgetragen werden - auf einer Breite von vier Metern. In ihrer Länge muss die Probegrabung die gesamte Fläche abdecken, die bebaut werden soll - maximal 70 Meter.

Falls Funde gemacht werden, müssen die Archäologen sie mit Fotos und Zeichnungen dokumentieren, einmessen und vorsichtig freiputzen. Falls Tamoil die Funde nicht behalten will, werden sie vom Landesamt aufbewahrt, so Sippel. Er rechnet vor allem mit Erdbefunden - also Verfärbungen im Boden, die etwa auf Feuerstellen einer früheren Siedlung hinweisen.

Die Kosten trägt der Bauherr, er muss auch eine Verzögerung der Bauarbeiten durch die Grabung akzeptieren. Wenn während der späteren Arbeiten noch Funde auftauchen, müssen sie laut dem Gesetz dem Landesamt für Denkmalpflege gemeldet werden.

Kommentare