Einfallstraße nach Sooden: Anwohner und Stadt sehen Handlungsbedarf

Tempo und Lärm nerven

Ärger über „Rennstrecke“: Zu schnell und zu laut geht’s nach Beobachtungen von Anwohnern auf der Straße An den Soleteichen zu, die Bad Sooden-Allendorf im Westen mit Kammerbach verbindet. Auch die Stadt sieht Handlungsbedarf. Foto:  Cortis

Bad Sooden-Allendorf. Lange Zeit war die kleine Welt An den Soleteichen in Ordnung. Auf der westlichen Einfallstraße von Kammerbach nach Sooden herrschte rund 20 Jahre eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 Stundenkilometern. Das änderte sich schlagartig im Frühsommer letzten Jahres. Da ließ die Straßenverkehrsbehörde des Kreises das Tempolimit aufheben. Seitdem gilt, wie in geschlossenen Ortschaften üblich, wieder 50 km/h als zulässige Höchstgeschwindigkeit - mit unangenehmen Folgen: Es wird wieder gerast. Und weil die steile Gefällstrecke über weite Strecken ein Flickenteppich und stellenweise so wellig wie ein Waschbrett ist, donnern vor allem Lkw mit lautem Rattern bergauf oder bergab.

Genervt von Tempo und Lärm sind nicht nur Anwohner, sondern auch Kurgäste, die aus den benachbarten Kliniken die Straße überqueren müssen, um in die Innenstadt zu gelangen. Handlungsbedarf sieht auch die Stadt, die sich vehement, aber letztlich vergeblich gegen eine Aufhebung von Tempo 30 gewehrt hatte.

Nur zwei der erbosten Anwohner sind Karl-Heinz und Renate Böttner, die seit 43 Jahren einen Steinwurf entfernt von der „Rennstrecke“ eine Pension betreiben. Bei seinerzeit noch erlaubten 30 km/h, heißt es in einem Schreiben des 71-jährigen Rentners an die Stadt, habe die Mehrheit der Autofahrer einen Geschwindigkeitskorridor von 40 bis 60 km/h genutzt. Jetzt aber liege die tatsächliche Durchschnittsgeschwindigkeit zwischen 60 und 80 km/h, zum Teil auch darüber. Gerast werde vor allem abends und in der Nacht, wobei 100 km/h „keine Seltenheit“ seien, beschwert sich Böttner, ohne Einzelheiten zu nennen, wie er diese Werte ermittelt hat. Kurgäste hätten mitunter große Schwierigkeiten, die Straße zu überqueren. Seine Forderung: „Hier gehört eine Radaranlage hin, und zwar sofort!“ In fast jedem kleinen Ort werde geblitzt, nennt Böttner beispielhaft etwa die stationären Radaranlagen in Wendershausen und Uengsterode. Erst recht müsse das dann aber auch für Bad Sooden-Allendorf als Kurort geboten sein.

Verständnis für den Unmut hat Bürgermeister Frank Hix, sieht die Stadt aber als falschen Adressaten der Beschwerde. Gefordert sei hier vielmehr die Straßenverkehrsbehörde des Kreises. Grundsätzlich, so Hix mit Blick auf den Charakter der Kurstadt, halte die Stadt an der Forderung von einem auf 30 km/h begrenzten Tempolimit fest. Die seinerzeitige Aufhebung sei „nicht nachvollziehbar“, zumal auf derselben Straße, der L 3239, in der Ortslage des benachbarten Stadtteils Kammerbach stellenweise eben eine solche Geschwindigkeitsbegrenzung bestehe. Parallel liefen derzeit Bemühungen der Stadt um eine Terminvereinbarung mit der Straßenbauverwaltung Hessen Mobil, um Möglichkeiten zur Installierung einer stationären Radaranlage zu prüfen.

Von Christoph Cortis

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