Erstes Witzenhäuser Frauenmahl gibt Impulse

Toleranz braucht Interesse am Anderen

Flammende Rede für die Frau: Kreisfrauenbeauftragte Thekla Rothermund-Capar. Foto: kw

Burg Ludwigstein. Wie gehen Kirche und Gesellschaft heute mit dem um, was fremd ist und anders erscheint? In Tischreden machten sich Frauen aus Kirche, Politik und Beratungsarbeit Gedanken zum Thema Toleranz oder auch Intoleranz. Frauenmähler, die dazu anregen sollen, ganz aus weiblicher Sicht bei Tisch und einem guten Essen über wichtige gesellschaftliche und religiöse Themen zu sprechen, gibt es inzwischen in ganz Deutschland.

Die Frauen im Kirchenkreis Witzenhausen waren nun ebenfalls dazu eingeladen, auf Burg Ludwigstein an einem solchen Abend teilzunehmen, zu dem Dekanin Ulrike Laakmann zusammen mit der Frauenarbeit im Gustav-Adolf-Werk, dem Referat Erwachsenenbildung/Frauenarbeit in der Evangelischen Kirche Kurhessen Waldeck sowie der Evangelischen Frauenarbeit im Kirchenkreis Witzenhausen eingeladen hatten. Und das Interesse war sehr groß. Prälatin Marita Natt machte sich Gedanken darüber, was Toleranz im täglichen Leben eigentlich bedeutet. Heißt, tolerant zu sein, andere Überzeugungen, Meinungen und Lebensformen einfach nur zu erdulden und auszuhalten? Oder heißt es auch, zu hinterfragen, warum andere tun, was sie tun, warum sie denken, was sie denken?

„Die Grundvoraussetzung für Toleranz ist Bildung“, stellte Marita Natt fest. Aber Toleranz allein genüge nicht. Toleranz müsse zur Anerkennung führen. Dies ließe sich nur dadurch erreichen, indem man nicht ängstlich sei, sondern aufeinander zugehe, voneinander lerne. „Gott ist sehr tolerant mit uns. Er erträgt uns mit all unseren Schwächen und Eitelkeiten“, fügte die Prälatin augenzwinkernd hinzu. Auch Bildungsreferentin Ute Göpel vom Referat Wirtschaft-Arbeit-Soziales/Dienst auf dem Lande der EKKW ist Toleranz allein nicht genug. „Die Vielfalt zu wollen, reicht viel weiter, als einfach nur Toleranz zu üben“, unterstrich Ute Göbel.

Diesen Aspekt führte die Gleichstellungsbeauftragte des Werra-Meißner-Kreises, Thekla Rotermund-Capar in einem bewegenden Vortrag weiter aus: Gewalt gegen Frauen, sexuelle Belästigung, ungleiche Bezahlung oder Mobbing etwa dürften nicht toleriert werden. Trotz aller Bemühungen der Frauenbewegungen erlebe die Beraterin in ihrem Beruf immer noch täglich eine große Intoleranz einer von Männern geprägten Welt gegenüber Frauen und der Familie. (kw)

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