Vorwurf der Korruption

Ermittlungen gegen Ex-SPD-Kreischef  Oetzel

Dirk Oetzel

Hessisch Lichtenau. Wer den Ermittlern vor drei Jahren den Tipp gab, weiß Dirk Oetzel nicht. Eine anonyme Anzeige im Mai 2010 änderte sein Leben. Seitdem ermittelt die Staatsanwaltschaft Frankfurt gegen ihn. Um Korruption soll es gehen. Doch was ihm genau vorgeworfen wird, weiß Oetzel nicht.

Bis heute ist weder ihm noch seinem Anwalt Einsicht in die Akten gewährt worden. "Ich bin noch nicht einmal in der Sache befragt worden", sagt er.

Dirk Oetzel war so etwas wie ein Hoffnungsträger für die SPD im Werra-Meißner-Kreis. Der heute 42-Jährige stand an der Spitze des Unterbezirks und war Stadtrat in Hessisch Lichtenau. "Das hat mir richtig Spaß gemacht", sagt Oetzel. "Es war ein angenehmes Arbeiten mit allen Handelnden." Von seinen Posten zog er sich zurück, als die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft bekannt wurden. Nicht wenige handelten ihn für höhere Ämter.

Er selbst habe sich das auch zugetraut, sagt Oetzel. Ein spezielles Amt habe er nicht im Auge gehabt, aber "ich wollte aus dem Ehrenamt ein Hauptamt machen".

Von diesen Überlegungen hat sich Oetzel verabschiedet. Im SPD-Ortsverein Hessisch Lichtenau ist er noch aktives Mitglied. "Da halte ich mich aber zurück." Auch zur kürzlichen Wahl seiner Nach-Nachfolgerin Karina Fissmann will er nichts sagen.

Beruflich macht er noch immer das, womit er auch damals sein Geld verdient hatte. Oetzel hat eine Brandschutz-Firma in Walburg, mit seiner Frau und dem gemeinsamen Sohn lebt er in Hessisch Lichtenau. "Es ist eigentlich ein Wunder, dass ich das bis heute wirtschaftlich überlebt habe", sagt er. Für den TÜV organisiert er regelmäßig Seminare, dabei arbeitet Oetzel mit freiberuflichen Dozenten auf Honorarbasis zusammen.

Einer von ihnen war Willi Sußebach, ehemaliger Kreisbrandinspektor. Doch die Tätigkeiten für Oetzel zeigte Sußebach dem Werra-Meißner-Kreis nicht korrekt an, wie später auch ein Akteneinsichtsausschuss des Kreistages feststellte. Außerdem soll er Oetzel Aufträge des Kreises zugeschanzt haben. Belege dafür fand der Akteneinsichtsausschuss nicht.

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft ziehen sich weiter hin. Ausgang offen. "Derzeit werden noch Unterlagen von unserer Wirtschaftsprüfgruppe ausgewertet", sagt Pressesprecherin Doris Möller-Scheu auf Anfrage. "Dies kann noch einige Monate dauern. Erst danach kann über den Verfahrensabschluss entschieden werden."

Dirk Oetzel betont seine Unschuld. Nur das eine oder andere "würde ich heute nicht mehr so machen wie damals". Niedergeschlagen wirkt der 42-Jährige nicht. Aber die Ungewissheit, nicht zu wissen, was noch kommt, sei quälend. Wie in einer "Leichenstarre" fühle er sich manchmal. "Ich habe keine Pläne für die Zeit danach", sagt Oetzel. "Ich möchte einfach wirtschaftlich durchkommen und dass meine Familie unbeschadet aus der ganzen Sache herauskommt."

Von Claas Michaelis

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