Werleshausen

Einblicke in den Mordauftrag des 23-jährigen Angeklagten

Werleshausen/Kassel. Im Prozess um einen versuchten Auftragsmord trat im Landgericht Kassel Erschreckendes zu Tage, als der Richter E-Mails vorlas, die die Angeklagten ausgetauscht hatten.

Als der erste Mordversuch Anfang Mai dieses Jahres in Werleshausen nicht zum geplanten Erfolg geführt hatte, wurde der eifersüchtige Ex-Freund immer ungeduldiger - und immer deutlicher zu dem gedungenen Mörder.

Per E-Mail hatte der 23-Jährige aus Rosenheim unter dem Decknamen „Omega Service“ den 34-Jährigen aus Stuhr bei Bremen mit der Ermordung des neuen Lebensgefährten seines früheren Geliebten beauftragt. In der Folge kam es zu der Messerattacke in Werleshausen, bei der ein 27-jähriger Mann schwer und der 26-jährige Ex-Geliebte leicht verletzt wurden.

Gestern verlas Vorsitzender Richter Volker Mütze im Prozess vor der 6. Strafkammer des Landgerichts Kassel die Verabredungen zwischen dem Auftraggeber und dem Mann, der sich als Mörder anheuern ließ. Über eineinhalb Stunden dauerte die Darstellung der mehr als hundert Mails und der Telefonverbindungsdaten zwischen den beiden Angeklagten von Ende März bis zur Festnahme des Jüngeren am 20. Mai in Rosenheim. Einziges Thema: „Die Zielperson muss bluten.“ Martialische Formulierungen über das Messer wie: „Dann ramme ich ihm mein ehrliches Silber in den Hals“ wechselten mit Forderungen wie: „Ich will dieses Schwein tot sehen.“

Im Internet hatte der 34-jährige als Cranky nach Arbeit gesucht, „Transporter, Mafia, hitman“. Ein Begriff, mit dem selbst der erfahrene Strafrichter nichts anfangen konnte. „So schreibt jemand, der für Geld töten will“, wurde er von dem 34-Jährigen belehrt, der mit seinen nach eigenen Angaben beim Militär und im Personenschutz erlernten Fähigkeiten „so richtig durchstarten“ wollte.

Nachdem die Messerattacke gescheitert war, regte sein Auftraggeber einen neuen Versuch mittels Giftspritze oder mit einer Schusswaffe im „Spital“ in Eschwege an, wo die beiden Angeklagten den Schwerverletzten vermuteten. Auch könne er ein „Bolzenschussgerät für Beton oder Stahl, welches im Baumarkt erhältlich ist, entsprechend umfunktionieren“, schlug der Rosenheimer vor. Die Bauanleitung für einen Schalldämpfer könne er ihm ebenso besorgen wie auch eine Methode nennen, die „zum Entsorgen für Personen geeignet ist“.

Am 5. Januar wird der Prozess fortgesetzt. Bis dahin sollten sich die Parteien Gedanken machen, ob sie sich nicht über die Schmerzensgeldzahlung gütlich einigen könnten, schlug der Richter vor. (and)

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

Kommentare