10 000 auf dem Kopf

Witzenhäuser Bienen sind Teil eines Kunstprojektes

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Spektakulär oder einfach nur wahnsinnig: Auf dem Kopf des Kasseler Studenten Marlon Middeke sitzt ein ganzes Bienenvolk.

Witzenhausen. Bienen aus Witzenhausen sind bei der documenta 13 in Kassel Teil eines Kunstwerks. Von dort aus haben die Insekten ihren Siegeszug als Aktionskünstler bis nach Arles in Südfrankreich angetreten. Die friedfertigen Buckfast-Bienen gehören dem Vorsitzenden des Imkervereins Witzenhausen, Danny Jöckel. Der Hobbyimker unterstützt den französischen Künstler Pierre Huyghe.

Huyghe hat in der Kasseler Karlsaue ein Biotop angelegt, das er „Untilled“ (unbestellt) nennt. Unter anderem steht dort eine Frauenskulptur aus Beton, um deren Kopf ein Bienenvolk unaufhörlich weiter wächst (wir berichteten).

Aus der erfolgreichen Zusammenarbeit der beiden ist eine spektakuläre Idee entstanden. Wenn Bienen den Kopf einer Skulptur bevölkern, müsste es doch möglich sein, ein Volk auf einem menschlichen Kopf zu platzieren, überlegte sich Huyghe. Dafür braucht es allerdings sanftmütige Bienen und einen mutigen Menschen. Marlon Middeke, Umwelt-Ingenieur-Student aus Kassel, hat sich auf das Wagnis eingelassen. Er betreut die documenta-Hunde Human und Senor betreut.

Nach langer Vorbereitung des nicht ganz ungefährlichen Vorhabens ist es soweit: Während der Veranstaltung „To the moon via the beach“ im französischen Arles, präsentiert das Trio das Projekt.

Das lebende Kunstobjekt Middeke betritt eine riesige Arena, die an eine karge Mondlandschaft erinnert. Im Haar eine Bienenkönigin. Imker Jöckel bleibt zunächst im Hintergrund. Dann lässt er seine Bienen frei, die sich sofort auf die Suche nach ihrer Königin begeben. „Dafür ziehen die Bienen große Kreise durch die Arena“, sagt Jöckel.

Brummen über Mikro

Durch aufwendige Licht- und Ton-Technik sei das Spektakel noch untermalt worden. „Das Brummen der Bienen ertönt in ohrenbetäubender Lautstärke“, sagt Jöckel. Dafür sei der lebenden Skulptur ein Mikrofon um den Hals gehängt worden. An vier aufeinander folgenden Tagen konnten die Arena-Besucher das Spektakel kostenlos verfolgen. Möglich wurde die Aktionskunst mithilfe der Lum Foundation, einer Stiftung, die Kunstprojekte fördert.

Kritik an der Aktionskunst mit den Bienen gab es bereits während der documenta. Jöckel weist das zurück und erklärt: „Den Bienen geht es gut, die Königin kann sich entgegen langläufiger Vermutungen frei auf der Skulptur bewegen.“ Nachts werde der Kopf mit einer Kiste abgedeckt, um die Bienen vor Waschbären und anderen Plünderern zu schützen.

Befürchtungen, dass die Bienen der Witterung ausgesetzt sind, widerspricht der Imker: „Vor Regen können sich die Bienen gut schützen, weil sie dicht an den Waben sitzen und das Wasser von ihren Körpern abperlt.“ Auch in Frankreich habe er für Ausgleich gesorgt. „Die Völker konnten in Lavendel- und Sonnenblumenfeldern umherfliegen.“

Von Alia Shuhaiber

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