Johannisberg-Schüler wehren sich

800 protestieren gegen Abschiebung ihrer Mitschüler

Protest: Familie Selimi soll abgeschoben werden. Die Schüler der Johannisberg-Schule in Witzenhausen sind entsetzt.

Witzenhausen. Familie Selimi soll abgeschoben werden. Die Schüler der Johannisberg-Schule in Witzenhausen sind entsetzt. Schließlich würde das bedeuten, dass ihre Freunde Erdin und Denis plötzlich weg wären.

Das wollen sie verhindern und organisierten am Freitag mit Hilfe ihres Schulleiters Lothar Steinfeld eine Protestaktion an der Schule. Kenan Selimi, seine Frau Sukrigu und die Kinder Erdin, Denis, Elma und Elmedina kamen 2011 aus den Kosovo in die Kirschenstadt. Jetzt sollen sie dorthin zurück, obwohl die Lage für die Roma-Familie dort unsicher und die jüngste Tochter Elmedina körperlich und geistig behindert ist. In Witzenhausen sind die sechs gut integriert und beliebt.

Das zeigte sich bei der Protestaktion im Foyer der Johannisberg-Schule: Über 800 Schüler, Lehrer und Eltern hatten sich versammelt, um ein Zeichen der Solidarität für Familie Selimi zu setzen. Lothar Steinfeld erklärte die Situation: „Selimis haben noch bis zum 14. April eine Aufenthaltsgenehmigung, dann können sie jeden Tag ein Flugticket in den Kosovo bekommen.“ Mittlerweile hat Steinfeld eine Petition beim Hessischen Landtag eingereicht, um die Abschiebung zu verhindern. Zuvor hatten die Schüler bereits 800 Unterschriften gesammelt. Auch zahlreiche Politiker, wie Landrat Stefan Reuß (SPD) und die Landtagsabgeordneten Dirk Landau (CDU), Sigrid Erfurth (Grüne) und Lothar Quanz (SPD) haben dem Schulleiter Unterstützung zugesichert. Schülersprecher Maximilian Schlösinger bekräftigte den Wunsch der Schülerschaft, ihre Freunde Erdin und Denis nicht verlieren zu wollen. Dann übergab er weitere Unterschriften an den Kreistagsabgeordneten Armin Jung (Grüne).

Eine möglichst große Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit zu erzeugen ist wichtig, um eine Abschiebung zu verhindern. Das sagt der Flüchtlingsberater des Diakonischen Werks Eschwege / Witzenhausen, Martin Röder. Denn in einem Fall wie dem von Familie Selimi seien alle rechtlichen Möglichkeiten ausgeschöpft. „Das heißt, ihnen bleiben nur Gnadenoptionen, wie eine Petition.“ Diese sei umso erfolgreicher, je mehr Unterstützer sie habe. Der Petitionsausschuss des Hessischen Landtags entscheidet über eine Petition. Die Unterschriftenaktion an der Johannisberg-Schule und die Petition des Schulleiters Lothar Steinfeld seien daher der richtige Weg. Trotz der möglichen Ablehnung kann das Petitionsverfahren nämlich Zeit bis zur Änderung des Aufenthaltsgesetzes gewinnen. „Dann können Familien integrierter Jugendlicher im Land bleiben, sofern sie bereits vier Jahre in Deutschland wohnen.“

Von Jonathan Vorrath

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