Verein Dental-Ladakh zeigt Film über die Entwicklungshilfe in Nordindien

Zahnpflege im Himalaya

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In den Bergen: Dr. Karin Kiel bei der Arbeit mit einer mobilen Behandlungseinheit, die extra für die Anforderungen des Himalayas entwickelt wurde.

Hessisch Lichtenau. „Es ist erstaunlich wie schlecht der Zahnzustand bei Naturvölkern ist“, sagt Dr. Karin Kiel aus Hessisch Lichtenau. Sie vermutet, dass dieser Zustand dem süßen Buttertee geschuldet ist, den die Nomaden im Himalaya in großen Mengen trinken. Außerdem kämen durch den zunehmenden Tourismus viel Zucker und Süßigkeiten nach Nordindien.

Die Zahnärtzin ist in diesem Jahr mit ihrem Kollegen, dem Kieferchirurgen Dr. Thomas Reidick, das dritte Mal nach Ladakh in Nordindien gereist, um Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. Dafür hat sie den Verein Dental-Ladakh gegründet und Spenden gesammelt. Ziel ist es, die Menschen für die Zahnhygiene zu sensibilisieren und Amchis auszubilden. Amchis sind Ärzte der tibetischen Medizin, die hauptsächlich mit Pulsdiagnostik, Kräuterheilkunde und Akkupunktur behandeln.

„Die Nomaden sind im Winter eingeschneit und müssen mindestens eine Woche Fußmarsch in Kauf nehmen, um zum nächsten Zahnarzt zu kommen“, erzählt Kiel. Bislang hätten die Amchis Zähne ohne Narkose oder Schmerzmittel gezogen. „Wir schulen sie in elf Tagen im Zähneziehen und statten sie mit einem Koffer zur Notfallversorgung aus“, sagt Kiel.

Zu ihrer Arbeit gehört auch das Vermitteln von Zahnputztechniken und das Verteilen von Zahnbürsten an den Schulen. „Die Zahngesundheit unter den Schülern hat sich schon verbessert.“

Kiel sei das erste Mal während einer Studienreise in Nordindien auf die Problematik aufmerksam geworden. Daraufhin sammelte sie jahrelang Spenden, um das Projekt zu finanzieren. Mittlerweile hat sie einige Sponsoren und Spender für das Projekt gewinnen können, so dass sie jedes Jahr für etwa 2,5 Wochen nach Nordindien reisen kann.

In diesem Jahr konnte der Verein sogar einen Zahnarzt mit einer kompletten Behandlungseinheit ausstatten. Und Dr. Reidick plant, ansässige Mediziner im Krankenhaus chirurgisch auszubilden. Denn einen Kieferchirurgen gibt es in Ladakh bislang nicht. Auch die augenärztliche Versorgung wollen die beiden Zahnmediziner verbessern. Die starke UV-Strahlung durch die Höhenlage der Ladakh-Region verursache viele Augenschädigungen. Deshalb haben die Mediziner auch immer genügend Sonnenbrillen im Gepäck, die sie verteilen. Die Ärzte sind jedes Jahr aufs neue begeistert über die Herzlichkeit der Menschen: „Es ist beeindruckend, wie wenig diese Menschen besitzen, dass sie aber trotzdem so glücklich und zufrieden sind“.

Einen Einblick in die Arbeit auf 5000 Metern Höhe, gewährt ein Film des HR-Redakteurs Carsten Gohlke, der die Reisen begleitet. Zu sehen ist der Film am Freitag, 23. November, 19.30 Uhr, im Bürgerhaus in Hessisch Lichtenau. Die Vorführung ist kostenlos. Spenden für die Hilfsaktion im Jahr 2013 sind erwünscht.

Wer an der Veranstaltung teilnehmen möchte, wird um eine kurze Mitteilung gebeten, Tel: 0 56 02 / 91 98 86. www.dental-ladakh.de

Von Alia Shuhaiber

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