Abenteuer in der Natur

Sommercamp der Royal Rangers am Werratalsee

Aufgabenreiches Lagerleben: Vor dem Kochen muss zuerst Holz für das Feuer gehackt werden.

Schwebda. Für eine Woche hatte Schwebda gewissermaßen einen neuen Ortsteil. Auf dem Sportplatz, direkt neben dem Ufer des Werratalsees, war eine regelrechte Zeltstadt entstanden. Rund 230 Pfadfinder der Royal Rangers, sechs Stämme aus Mittel- und Nordhessen, hatten in der ersten Ferienwoche dort ihr Sommercamp aufgeschlagen.

„Vor vier oder fünf Jahren waren wir schon einmal am Werratalsee“, sagt Organisatorin Hanna Rinker. „Und es hat uns hier so gut gefallen, dass wir unbedingt wiederkommen wollten.“

Für die Kinder und Jugendlichen bedeutet das Sommercamp eine Woche Abenteuerurlaub ohne Eltern. Es bedeutet aber auch, der Natur nahe zu kommen. Ihre Zeltstadt ist so angelegt, dass sie diese genauso auch in der Wildnis aufschlagen könnten. Vor den Zelten gibt es zwar alles, was man zum Campen benötigt: Feuer- und Kochstellen, überdachte Arbeitstische und schattige Plätzchen zum Aufhängen der Hängematten. Das Zeltareal jedes einzelnen Stammes hat sogar ein Eingangstor und eine Umfriedung. Doch das Besondere ist: Das ganze Lager wurde nur aus Holz und Seilen errichtet. Naturmaterialien, die am Ende wieder restlos abgebaut werden.

Kreativ mit Verantwortung

Tor im Belastungstest: Es hält! Das Eingangstor zu ihrem Lagerbereich haben die Mädchen und Jungen der Royal Rangers aus Friedberg selbst gebaut, nur aus Holz und Seilen. Fotos: Weber

Für die Organisation des Lagers war Timo Ueltzhöffer zuständig. „Durch das Bauen mit Holz wird die Kreativität der Pfadfinder geweckt. Sie müssen sich auch Gedanken über Statik machen“, erklärt er. „Im Lager schließlich werden ihnen dann Aufgaben zugetraut, die sie zu Hause nicht erfüllen. So müssen sie selbst kochen, doch bevor das möglich ist, müssen sie zunächst selbst das Feuer dazu entfachen.“ Gerade in der modernen Gesellschaft, die vom Medienkonsum geprägt ist, hält er es für relevant, mit den Kindern und Jugendlichen in die Natur zu gehen, denn vieleEltern täten das nicht mehr. So herrscht im Camp auch ein striktes Handy-Verbot. Die Jugendlichen sollten wieder wahrnehmen, dass es im Leben mehr Dinge gebe, als den ganzen Tag auf kleine Bildschirme zu starren. „Ich sage ihnen: Unterhaltet euch mal in echt, ihr werdet sehen, dass das viel mehr Spaß macht.“

Nicht nur sollen die Kinder und Jugendlichen bei den Pfadfindern zu verantwortungsvollen Menschen geschult werden, die Royal Rangers sind auch eine explizit christliche Organisation. Jeder der lagernden Stämme gehört zu einer freikirchlichen Gemeinde. Das Thema des Camps in Schwebda heißt deshalb „Quo Vadis“ und das hat nur auf den ersten Blick etwas mit Römern zu tun. Vielmehr wollen die Pfadfinder sich in die Zeit der Antike zurückversetzen, um dort eine Reise durch das neue Testament zu unternehmen. Gottesdienste, Theaterstücke, selbst die sportlichen Aktivitäten wie Kanufahren werden in diesen Zusammenhang gestellt. Sie fragen: „Quo Vadis - wohin gehst du?“

Von Kristin Weber

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