Hobbyarchäologen legen Reste einstiger Besiedlung unterhalb des Eichenbergs frei

Begehrter Platz im Tal

Hinweise auf häufigere Besiedlung: Keramikscherben aus verschiedenen Epochen und Steinzeitwerkzeug wurden gefunden.

Frieda. Bauten die Römer einst im Werratal unterhalb des Eichenbergs bei Frieda eine Straße aus Steinen? Diese Frage stellen sich die Hobbyarchäologen Patrick und Dagmar Rauch. Ein Stück Pflaster deutet zumindest eine Straße an. Diese verschwand vor Jahrhunderten im Erdboden.

Bei Arbeiten für die Umgehungsstraße der B 249 für den Meinharder Ortsteil Frieda wird am Rande der Trasse ein Amphibienteich als Natur-Ausgleichsmaßnahme ausgehoben. Und dabei kamen dann Spuren der Vergangenheit ans Tageslicht, neben dem Pflaster vor allem auch viele Scherben. Patrick und Dagmar Rauch, die mit Wissen und Wohlwollen der Landesarchäologie ehrenamtlich das Werratal durchstreifen, suchen und graben seit Anfang August und mittlerweile fast jedes Wochenende auf dem Areal. Es ist etwa so groß wie ein halbes Fußballfeld und hat bereits etliche Reste einstiger Besiedlung preisgegeben.

Dazu gehören eine früheisenzeitliche Keramikschale mit Strichverzierung ebenso wie rund 100 Abschläge und Werkzeuge aus Quarzit, Flint und Hornstein, die auf die Jungsteinzeit hinweisen. Und ein alter, aus Bruchsteinen gelegter Kanal womöglich aus dem späten Mittelalter oder der frühen Neuzeit kann auch nachvollzogen werden. Der Bereich, eine Kiesterrasse im Winkel der alten B 249 und der neuen Umgehung nahe der Mündung des Friedabaches in die Werra, dürfte also häufiger ein begehrter Platz für längere Aufenthalte oder gar zum Siedeln gewesen sein.

Bis Ende September ruhen die Arbeiten in Absprache mit Behörden und Baufirma dort extra noch, damit Zeit für weitere Untersuchungen ist. Mittlerweile werden die Rauchs auch von bis zu vier Interessierten aus Frieda und Umgebung beim Forschen unterstützt. Sie wollen wohl noch einen längeren Schnitt durch das Gelände anlegen.

Höfe von frühen Germanen

Das in Amöneburg im Marburger Land lebende Ehepaar, das familiäre Beziehungen ins Werratal unterhält, informierte schon früh das Landesamt für Denkmalpflege in Marburg. Zwei Mitarbeiter kamen gleich, legten exakte Schnitte an und maßen herausragende Funde ein.

Auch Bezirksarchäologe Dr. Klaus Sippel nahm die Kiesterrasse in der Werra-Aue mittlerweile in Augenschein. „Eine typische Siedlungsstelle aus der römischen Kaiserzeit“, lautet sein Urteil. Anhand der verzierten Keramik erkennt er, dass „frühe Germanen“ hier einst Haus und Hof hatten.

Diese Siedlung, so ortet es Patrick Rauch ein, dürfte zwischen 200 vor bis 200 nach Christus bestanden haben. Und was ist mit der Straße, die immerhin exakt in Richtung Werra führt? Womöglich zu einer Furt? Um darauf eine Antwort zu wagen, bedarf es noch weiterer Untersuchungen. Bislang kann nur spekuliert werden.

Von Stefan Forbert

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