"Bewässern ist notwendig“

Meinhards Bürgermeister Gerhold Brill reagiert auf Kritik

Gespräch auf dem Sportplatz in Frieda: Meinhards Bürgermeister Gerhold Brill erklärt, warum der Platz künstlich mit Trinkwasser bewässert werden muss. Foto: Rissmann

Frieda. Im Zeichen der Haushaltskonsolidierung und Anhebung der Grundsteuerhebesätze werden von der Meinharder Bevölkerung zunehmend freiwillige Leistungen der Gemeinde Meinhard kritisch hinterfragt. So sehen einige Bürger etwa in der Bewässerung des gemeindeeigenen Sportplatzes in Frieda in den Sommermonaten eine Geldverschwendung. Wir sprachen mit Bürgermeister Gerhold Brill.

Herr Brill, der Sportplatz in Frieda wird in den Sommermonaten künstlich bewässert. Ist das in Zeiten des Schutzschirmes gegenüber dem Bürger überhaupt zu rechtfertigen? 

Gerhold Brill: Entgegen den älteren Sportplätzen in Jestädt und Neuerode sind die Sportplätze in Frieda und Schwebda in der Schichtung vom gewachsenen Boden bis zur Grasnarbe nach DIN-Norm mit einer Vegetationsschicht, der Drainageschicht und einer Tragschicht ausgestattet. Dies ist notwendig, um für den Bau Zuwendungen des Landes Hessen und des Landessportbundes zu bekommen.

Grünplätze werden grundsätzlich für Sportarten wie Fußball benötigt. Um Stürze der Spieler zu verringern, wird deshalb ein weicher Wiesenboden beziehungsweise eine Rasenfläche gefordert. Rasenplätze wie die in Frieda und Schwebda müssen jedoch in niederschlagsarmen Zeiten bewässert werden. Sportplätze wie in Jestädt und Neuerode ohne Drainage sind bei starkem Regen oft nicht bespielbar, weil der Regen im Boden stehen bleibt.

Was würde passieren, wenn der Sportplatz nicht bewässert wird?

Brill:  Dann kommt es zu Schäden in der Vegetationsschicht - also im Rasenwurzelbereich, welche letztlich zu kostenintensiven Regenerationsmaßnahmen führen, die um ein vielfaches höher sind als die Bewässerungskosten. Entsprechende Arbeiten zur Wiederherstellung einer abgestorbenen Grasnarbe kosten mehrere tausend Euro.

Die Gemeinde Meinhard ist grundsätzlich gehalten, bei allen Einsparmaßnahmen abzuwägen, inwieweit aus der Sparmaßnahme höhere Folgekosten generiert werden und letztlich auch zur Werterhaltung gemeindeeigener Immobilien verpflichtet.

Wie viel Wasser wird für die Bewässerung des Sportplatzes Frieda jährlich benötigt und was kostet das? 

Brill: Die Wassermengen zur Bewässerung des Sportplatzes Frieda werden jährlich erfasst. Im Mittel werden rund 240 Kubikmeter Wasser dafür benötigt. Der Kubikmeter Wasser kostet in Meinhard zur Zeit 2,35 Euro Brutto. Daraus entstehen Kosten von 578 Euro für die Bewässerung des Sportplatzes im Jahr.

Die mittlere Bewässerungsmenge von Rasensportplätzen in Hessen liegt laut einer Erhebung des Landessportbundes bei 750 Kubikmeter pro Sportplatz, in Nordhessen bei 430 Kubikmeter. Der Sportplatz Frieda liegt mit seinem Verbrauch also rund 50 Prozent unter der mittleren Bewässerungsmenge von Rasensportplätzen in Nordhessen - wird also sehr sparsam bewirtschaftet.

Werden noch weitere Sportplätze in Meinhard in den heißen Sommermonaten künstlich bewässert?

Brill:  Ja, der Sportplatz in Schwebda wird im Sommer auch künstlich bewässert. Dieser hat jedoch einen eigenen Brunnen und wird nicht mit Trinkwasser bewässert.

Warum hat der Sportplatz Frieda keinen eigenen Brunnen?

Brill:  In Frieda ist der Bau eines Brunnens im Sportplatzbereich nicht möglich, da dieser in der Trinkwasserschutzzone zwei liegt.

Wie wird den die künstliche Bewässerung vorgenommen? 

Brill:  Der Sportverein hat sich einen Großflächenregner aus Vereinsmitteln beschafft. Dieser fährt und regnet selbständig. Nach dem Öffnen des Wasserhahns zieht sich der Regner an dem vorher ausgelegten Stahlseil über den Sportplatz und zieht einen an ihm angeschlossenen Wasserschlauch hinter sich her. Am Ende des Sportplatzes stellt der Regner das Wasser automatisch ab und stoppt die Beregnung.

Muss denn die Gemeinde die Sportvereine fördern? 

Brill:  Am 18. Oktober 2002 hat das Land Hessen das Staatsziel Sport in der Verfassung des Landes Hessen aufgenommen. Gemäß Artikel 62a der Verfassung des Landes Hessen genießt der Sport den Schutz und die Pflege des Staates, der Gemeinden und Gemeindeverbände. Die Aufnahme des Sports in die Verfassung war aber kein Selbstzweck, sondern sollte den Stellenwert des Sports für das Zusammenleben in der Zivilgesellschaft würdigen.

Unsere Meinharder Vereine - und dazu gehören auch die Sportvereine - engagieren sich seit Jahrzehnten vorbildlich für unser Gemeinwohl. Ohne unsere Vereine und örtlichen Initiativen in den sieben Ortsteilen würde Meinhard einen großen Teil seiner Wohnqualität einbüßen. Über 40 000 Stunden werden in Meinhard jährlich ehrenamtlich geleistet. In Euro umgerechnet ist das eine Wertschöpfung für die Gemeinde Meinhard von rund einer halben Million.

Von Diana Rissmann

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