Friedola: Insolvenzverwalter sieht gute Chance für eine Rettung

Frieda. Seit rund vier Wochen hält Insolvenzverwalter Prof. Dr. Lucas F. Flöther aus Fulda die Geschicke der Friedola-Living-Gruppe in Frieda in der Hand. Im Interview spricht er über das bisherige Verfahren und wie es nun weitergeht.

 

Herr Prof. Dr. Flöther, die Friedola-Living-Gruppe hat einen neuen Kredit bekommen. Wie kam es dazu?

Prof. Dr. Lucas F. Flöther:Es ist uns gelungen, einen Massekredit in siebenstelliger Höhe zu bekommen. Ein solches Darlehen können Gläubiger im Zuge eines Insolvenzverfahrens vergeben, wenn ein Fortführen der Produktion ansonsten nicht möglich ist. Wir haben lange verhandelt und ihn bekommen, weil die Gläubiger überzeugt sind, dass das Unternehmen Friedola eine Chance hat. Kann damit die Arbeit erst einmal fortgesetzt werden? Flöther: Mit dem Geld konnten bereits Betriebsmittel eingekauft und so in der vergangenen Woche die Produktion wieder aufgenommen werden. Damit kann der Betrieb auch über die Eröffnung des Insolvenzverfahrens am 1. Februar hinaus weitergeführt werden. 

Kritiker merken an, dass die Insolvenz früher hätte gestellt werden müssen. Hat die Geschäftsleitung zu lange gewartet?

Prof. Dr. Lucas F. Flöther

Flöther: Tatsächlich musste alles Spitz auf Knopf geschehen, denn wir hatten nur einen Monat Zeit, um alles für das Insolvenzverfahren vorzubereiten. Ob der Antrag rechtzeitig gestellt wurde und ob alles rechtlich einwandfrei abgelaufen ist, wird von mir als Insolvenzverwalter genau geprüft. So eine Auswertung dauert allerdings erfahrungsgemäß mehrere Jahre. Kurzfristig jedoch nützt uns eine Antwort auf die Frage auch nichts, denn das dringlichste Ziel war – und ist es noch – Finanzmittel aufzutreiben, da das Unternehmen zum Jahreswechsel nicht mehr liquide war.

Die Geschäftsleitung hat bereits vor über einem Jahr Wirtschaftsberater hinzugezogen, die ein Sanierungskonzept erstellt haben. Hat Ihnen dieses Konzept jetzt in der Kürze der Zeit geholfen?

F löther: Mittel- und langfristig gesehen hilft uns dieses Konzept sicherlich weiter. Kurzfristig allerdings müssen wir Finanzmittel einholen, weshalb die oberste Priorität derzeit auf der Suche nach einem geeigneten Investor liegt.

Bei Friedola gibt es neben den bekannten finanziellen Problemen auch einen Investitionsstau beim Maschinenpark, sodass es wohl ohne einen finanzstarken Investor nicht gehen wird. Sehen Sie eine gute Chance, jemanden zu finden?

Flöther: Aus eigener Kraft werden wir langfristig den Geschäftsbetrieb nicht aufrechterhalten können. Aber dazu ist ein Insolvenzverfahren da: Wir schmücken jetzt die Braut, um sie für einen Investor interessant zu machen. Wir müssen also jetzt die Altlasten abarbeiten, um einem potenziellen Investor zu zeigen, dass Gewinne erwirtschaftet werden können. Wir versuchen national wie international mit Investoren ins Gespräch zu kommen. Die werden sich den Betrieb anschauen und die Bücher prüfen und dann will ich hoffen, dass einer übrig bleibt.

Konnten Sie sich in der Kürze der Zeit einen guten Überblick über die Lage machen und bereits ein eigenes Konzept erarbeiten?

Flöther: Absolut. Das war auch die Voraussetzung für den Massekredit. Wir mussten den Gläubigern zeigen, dass wir ruhig in das Insolvenzverfahren starten.

Wie sehen Sie langfristig die Chancen für Friedola?

Flöther:  Das Unternehmen hat eine gute Chance. Hilfreich ist, dass die Großkunden ein positives Signal gesendet haben und dem Unternehmen treu bleiben, weil eine Alternative an Herstellern in diesem Bereich fehlt. Allerdings wird die Konzernstruktur gerade genau geprüft: Es könnte sein, dass hier etwas gestrafft werden muss, auch Kündigungen kann ich nicht ausschließen. Da befinden wir uns gerade in der heißen Planungsphase. Für mögliche Kündigungen würde ein Sozialplan und Interessenausgleich aufgestellt, an dem auch der Gläubigerausschuss beteiligt ist. Ziel ist es aber, so viele Arbeitsplätze wie möglich zu erhalten. Das ist meine spannende Aufgabe als Insolvenzverwalter, die für alle Gläubiger beste Lösung zu finden. Doch ganz ohne Schmerzen wird es nicht gehen.

Was ist die Aufgabe eines Gläubigerausschusses?

Flöther:  In dem siebenköpfigen Gläubigerausschuss für Friedola sitzen Vertreter aller Gläubigergruppen, also der Banken, Anleihenehmer, Kunden, Lieferanten und – das war mir wichtig – der Arbeitnehmer. Die Arbeitnehmer sind sogar durch den Betriebsrat und die Agentur für Arbeit doppelt im Ausschuss vertreten. So haben die Mitarbeiter ein großes Mitspracherecht während des Insolvenzverfahrens, da ich ohne die Zustimmung des Gläubigerausschusses keine weitreichenden Entscheidungen treffen kann.

Zur Person

Prof. Dr. Lucas F. Flöther wurde 1974 in Leipzig geboren. Er studierte Rechtswissenschaften an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Er zählt seit Jahren zu den führenden deutschen Insolvenzverwaltern und Sanierungsexperten. In seiner über 15-jährigen Tätigkeit hat er über 1000 Insolvenzverfahren betreut. Flöther ist Partner der Kanzlei „Flöther & Wissing“ aus Fulda, die laut des Insolvenzkanzlei-Rankings der Wirtschaftswoche und des Magazins Focus zu den Top-Kanzleien in Deutschland gehört. Zudem ist Flöther Sprecher des Gravenbrucher Kreises, der Vereinigung der führenden Insolvenzverwalter Deutschlands. Seit 2001 erhält der 42-Jährige jedes Semester einen Lehrauftrag für Vollstreckungs- und Insolvenz- beziehungsweise Zivilprozessrecht der Martin-Luther-Universität. Im Jahr 2012 wurde er dort zum Honorarprofessor für das Fachgebiet Bürgerliches Recht und Insolvenzrecht ernannt.

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