Immer wieder im Herbst

Gänse am Werratalsee: Kot sorgt für Unmut bei Landwirten und Touristen

Gefiederter Besuch: Die afrikanischen Nilgänse fühlen sich am Werratalsee äußerst wohl. Foto:  dpa

Werra-Meißner. Das Werratal ist in diesen Tagen wieder Treffpunkt für viele Gänsearten: Während sich Vogelkundler über die Wintergäste freuen, löst das Geflügel bei vielen Landwirten und Touristen Unmut aus.

"Alljährlich im Herbst gesellen sich zu unserem Brutbestand der Grau- und Wildgänse aus dem Sommer weitere Trupps“, sagt Wolfram Brauneis, Kreisbeauftragter für Vogelschutz bei der hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz.

Die vielen Kiesteiche locken laut Brauneis neben Grau- und Nilgänsen auch die hochnordischen Saatgänse und die sibierischen Blässgänse ins Werratal. „Selbst aus weit entfernten Regionen kommen Ornithologen ins Werratal, um die Wintergäste zu beobachten“, sagt der Vogelkundler. Einige Gänsearten hätten – das belegen die Beringungen – tausende Kilometer zurückgelegt, um das Werratal zu erreichen. Während Vogelkundler erfreut die Schwärme beobachten, ist das Geflügel Landwirten ein Dorn im Auge: Da Gänse in erster Linie Grasfresser sind, würden sie eben auch an den grünen Spitzen der Wintersaaten zupfen, erklärt Brauneis den Unmut. Wenn Gänse Äcker aufsuchen würden, deren Samenkörner schon recht frühzeitig eingebracht wurden, seien Verbiss-Schäden durch Gänse aber nicht zu erwarten.

Latschen schädigt kaum

Laut Brauneis würde es den Gänsen nur gelingen die oberirdische, fast überschüssige Blattmasse abzufressen. Zwar würde es durch das Latschen der Gänse zu Beeinträchtigungen kommen, aber nicht alle Schäden seien Wildgänsen anzulasten.

„Die moderen Landwirtschaft mit ihren Vollerntemaschinen deckt Großvögeln regelrecht den Tisch“, sagt Brauneis und ergänzt: „während seltene Kleinvogelarten wie Kiebitze, Bekassinen, Steinschmätzer, Braun- und Schwarzkehlchen ihre Lebensräume verlieren.“

Was oben rein geht, muss auch unten wieder raus. Und weil Gänse schnell und in großen Mengen fressen, ist ihr Magen-Darm-Trakt so aufgebaut, dass das Grünfutter schnell verdaut werden kann: „Wenn die Gänse zum nächsten Flug stareten, müssen sie ihr Gewicht über das Ausscheiden der Reststoffe wieder reduzieren“, erklärt Brauneis. Auf Wiesen- und Ackerflächen diene der Kot als Dünger. Auf Ufer- und Strandwegen störe er Touristen. Da die Gänsepopulation im Sommer gering sei, gebe es aber kaum Probleme mit dem Gänsekot. „Dafür erfreuen uns zu dieser Zeit Brutpaare, die ein beliebtes fotografisches Ziel bei Urlaubern sind.“ (alh)

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