Interview mit Meinhards frisch gewähltem Bürgermeister

Gerhold Brill: Fragen, wo der Schuh drückt

Meinhards neuer Bürgermeister: Gerhold Brill (58) gewann am Sonntag die Stichwahl gegen Harald Schädler. Archivfoto: Rissmann

Jestädt. Es war ein knapper Sieg, und auch etwas überraschend - auch für Gerhold Brill selbst. Am Sonntag allerdings haben den Ortsvorsteher von Jestädt 53, 8 Prozent der Wähler zum Bürgermeister von Meinhard bestimmt. Bis zu seinem Amtsantritt im Juni hat er nun noch acht Monate Zeit, um sich vorzubereiten. Wir sprachen mit ihm darüber, wie es nun weitergeht und was seine ersten Schritte im Amt sein werden.

Herr Brill, haben Sie ihre Wahl zum Bürgermeister schon realisiert?

Gerhold Brill: Nein. Es ist alles noch sehr viel im Moment. Die Anspannung im Wahlkampf, gerade in den vergangenen drei Wochen bis zur Stichwahl, waren sehr anstrengend. Das ist zwar vorüber, aber nun kommen die ganzen Glückwünsche, der knappe Wahlvorsprung hat die Leute emotional bewegt.

Wie sind denn die Reaktionen zu ihrer Wahl?

Brill: Die Leute freuen sich riesig mit mir. Vor allem aber wohl darüber, dass es mit mir nun in Meinhard Veränderungen in der politischen Kultur geben wird. Ich habe viele Mails, Briefe und Anrufe erhalten und auch an meiner Arbeitsstelle, der Brandkasse in Kassel, haben die Kollegen herzlich gratuliert. So etwas gab es dort noch nicht, das jemand aufhört, weil er nun Bürgermeister einer Gemeinde ist.

Die Wahl ist noch ganz frisch, was sind denn nun ihre ersten Schritte?

Brill: Nun möchte ich erst einmal zur Ruhe kommen und einen Plan machen, wie ich mich in den kommenden acht Monaten am besten auf das Amt vorbereiten kann. Mein Ziel ist, mich bis dahin bei den Vereinen, Firmen und den Nachbargemeinden vorzustellen, damit ich schon einmal weiß, mit wem ich dann intensiv zusammenarbeiten werde.

Nun muss ja auch ein neuer Ortsvorsteher für Jestädt gesucht werden?

Brill: Ich denke, dass wird problemlos. Wir haben in Jestädt im Ortsbeirat parteiübergreifend immer sehr gut zusammengearbeitet und so werden wir es hier auch machen. Uns zusammensetzen und es ausdiskutieren.

Auch Ihren Job bei der Brandkasse in Kassel müssen Sie nun aufgeben. Fällt das schwer?

Brill: Ja, es ist ein lachendes und ein weinendes Auge. Mein Chef meinte, ich würde es mir so schwerer machen. Aber, ich habe mich für das Amt des Bürgermeisters nicht beworben, weil ich einen neuen Job wollte. Für mich ist das kein Beruf, sondern Berufung. Ich will auch nicht der Herr Bürgermeister sein, sondern der Gerhold. Eben ein Bürgermeister für alle.

Was wollen Sie im Juni als erstes angehen?

Brill: Mein erstes Projekt als Bürgermeister von Meinhard wird es sein, ein Demografie-Konzept zu erstellen. Wie können wir in Meinhard in zehn Jahren aufgestellt sein? Ich will die Meinharder fragen, wo der Schuh drückt. Wir müssen aktiv den Bevölkerungsschwund angehen, sehen wie wir junge Leute herlocken und den Wegzug verhindern können.

Von Diana Rissmann

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