Sie gibt den Ton an: Hanna Eichstädt-Schwehn leitet gleich drei Chöre

Will die Chormusik für alle verständlich machen: Hanna Eichstädt-Schwehn aus Jestädt leitet auch mit 75 Jahren noch erfolgreich drei Chöre. Foto: Möller

Jestädt. Temperamentvoll und engagiert - diese Frau muss einen Männerchor leiten! Das Urteil der Verantwortlichen der Musikschule des Mitteldeutschen Sängerbundes in Kassel trug Früchte: Hanna Eichstädt-Schwehn dirigierte mit zarter, aber resoluter Hand den Männerchor Niddawitzhausen und führte ihn zu beachtlichen chormusikalischen Leistungen.

75 Jahre jung ist die Musikerin aus Leidenschaft aus Jestädt und ist längst noch nicht müde, Woche für Woche den MGV aus dem Eschweger Stadtteil und die gemischten Chöre Aue und Jestädt zu neuen Leistungen anzustacheln. „Meine Zielvorstellung ist es, die Chöre, die mir anvertraut sind, zu halten und stets präsent zu sein, denn krankheitsbedingte Ausfälle sind auf allen Ebenen zu beobachten und ich versuche sie zu kompensieren.“

Die Musik bekam die gebürtige Detmolderin von ihrem Vater in die Wiege gelegt. Als Chorleiter und Organist vermittelte er seiner Tochter schon früh die Liebe zum Gesang, die bis heute erhalten blieb. 1961 fand sie in dem Jestädter Jochen Eichstädt, der die Tischler-Fachschule in Detmold besuchte, ihre große Liebe, der die reiselustige Hanna gleich mit nach Nordhessen nahm und sie in seinem Betrieb integrierte. Die Heirat folgte und aus der Ehe gingen zwei Jungen und eine Tochter hervor, sorgen derzeit fünf Enkel dafür, dass es der Oma nicht langweilig wird.

„Die Chormusik ist etwas wunderbares, muss das Liedgut von meinem Herzen auf die Sängerinnen und Sänger ausstrahlen, damit es auch den Menschen, die wir erfreuen wollen, verständlich wird“, setzt Hanna Eichstädt-Schwehn hohe Anforderungen an sich und ihre Chöre bei der Präsentation. „Für mich ist das Liedgut sehr wichtig, prägt es doch meine Ausstrahlung zum Chor was wiederum bewirkt, dass das Durchsetzungsvermögen beibehalten wird.“

Ob traditionell oder modern, volkstümlich, geistlich oder schlagermäßig, die Chöre von Hanna Eichstädt-Schwehn sind vielseitig und beherrschen dank ihrer engagierte Leiterin alle Facetten des Chorgesangs. Mit etwas Wehmut blickt die 75-Jährige zurück, als gestandene und voluminöse Männerchöre die Bühnen der Region beherrschten, die gemischten Chöre in voller Stärke ganze Säle bevölkerten. „Leider haben die jungen Menschen keinen Draht mehr zum Chorgesang, wollen nicht mehr gebunden sein und sich in einer großen Gruppe unterordnen“, sieht die Chorleiterin schwere Zeiten auf die Chöre zukommen. Denn auch sie muss innerhalb ihrer Chöre variieren, um singfähig zu sein. Nur gut, dass sie in ihrem Mann Erich eine wertvolle Stütze gefunden hat. Der gebürtige Dillenburger stellt seinen ausgeprägten und geschulten Bass dem Männerchor ebenso zur Verfügung wie dem Gemischten Chor. Zudem bläst er noch die Posaune.

Das wichtigste Instrument für Hanna Eichstädt-Schwehn ist ihre Stimmgabel, damit sie immer den richtigen Ton anschlägt. Daneben besucht sie gerne Auftritte andere Chöre, um chormusikalische Tendenzen zu erkunden. Als einstige Sängerin und zeitweise Leiterin des Meisterchors Viva la Musica sieht sie die Gabe etwas weitergeben zu können als Verpflichtung an. „Und solange ich gesund bleibe, stehe ich meinen Chören zur Verfügung!“

Von Dieter Möller

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