Gut hundert Leute genießen auf dem Flanierball auf Schloss Wolfsbrunnen eine Zeitreise in die Vergangenheit

Die Goldenen Zwanziger leben

Charlie Chaplin (Jonny Künzel aus Chemnitz) und sein Gehilfe Fabian.

Schwebda. Den alten Chapeauclaque hat er vom Opa übernommen. Oma Marie hatte ihn feinsäuberlich noch in der Originalverpackung aufbewahrt. Weißes Hemd angezogen, Fliege um den Kragen und die Hosenträger festgemacht. Perfekt reiht sich Christian Hoßbach in das 20er-Jahre-Ambiente auf Schloss Wolfsbrunnen in Schwebda ein.

„Endlich mal was Großes los in Eschwege“, freut sich der Rittmannshäuser. Gemeinsam mit Freundin Caroline Engel und deren Mutter Ramona genoss er am Samstagabend in den Schlosshallen den Flanierball. Liebevoll hatten die Angestellten um Event-Managerin Susanne Schäfer drei Tage lang das alte Gemäuer mit kleinen 20-er-Jahre-Details geschmückt. In jeder Ecke konnte man etwas entdecken - eine alte Schreibmaschine hier, eine stilechte Lampe dort.

Gut hundert Gäste waren der Einladung von Hotelchef Gerold Schwarz gefolgt - ausnahmslos alle verkleidet. „Man bewegt sich ganz anders, viel eleganter“, sagt Petra Siebert, die die alten Häkelhandschuhe von ihrer Oma aus der Schublade geholt hat. Besser, sagt sie, hätten die Veranstalter die 20-er-Jahre nicht aufleben lassen können. Mit Freundin Petra Schott genießt sie im Spiegelsaal das Büfett und die fröhliche Charleston-Musik der Kasseler Band Megaphon. Manche wagen sogar ein Tänzchen.

Nebenan im Al-Capone-Saal wartet Martin Mühr auf seinen Einsatz. Im Raucherzimmer darf gezockt werden - um Spielgeld zwar, aber spannend ist es allemal. Matthias Schäfer ist Herr über Chips und Karten beim Black Jack. „Ich fühle mich wirklich in die Zeit der Goldenen 20er zurückversetzt“, schwärmt Mührs Ehefrau Caroline. Ein modernes Coctailkleid hat sie mit einer roten Federboa und passendem Kopfschmuck zum Kostüm umfunktioniert. Sie verkleide sich sowieso gerne, und die 20er seien eine spannende, aufregende Zeit gewesen.

Spannend vor allem dann, wenn einer wie Guido Weber-Gaspar mit Pistolen auf die feiernden Mitmenschen zielt. Er gibt den coolen, ganz in Weiß gekleideten Al Capone. Von einem Schuhjungen alias Henning Grübl aus Köln, lässt er sich die Schuhe putzen. „Das war damals eben so“, sagt er.

Die 20er-Jahre stehen aber auch für die Höflichkeit und den Gentleman. In dieser Rolle geht Markus Schneider aus Baunatal besonders auf. „Die Frauen sahen damals besser aus“, sagt er. Fraulicher und eleganter. Als wäre der 25-Jährige ein Kind der 20-er, spielt er lässig mit dem Stil dieses Jahrzehnts. „Solche Veranstaltungen“, hofft er, „könnte es noch viel häufiger in der Umgebung geben.“

Und das werde, verrät Hotelchef Schwarz mit einem Augenzwinkern, auch so passieren. Der Anfang ist gemacht.

Von Stefanie Müller

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