Grüner See schreckt am Ostufer ab

Wegen Algen: Badewarnung am Werratalsees

Ratlos: Meinhards Bürgermeister Gerhold Brill ist besorgt über die massive Algenbelastung am Ost-ufer des Werratalsees. Foto: Rissmann

Schwebda. Das Ostufer des Werratalsees bietet derzeit keinen schönen Anblick. Überall haben sich die Blaualgen ausgebreitet, das Gesundheitsamt des Werra-Meißner-Kreises rät deshalb vom Baden ab. Das Ufer auf der Eschweger Seite hingegen ist nicht betroffen. Kreissprecher Jörg Klinge vermutet, dass dies mit dem Wind zusammenhängt.

Warum ausgerechnet jetzt die Algen verstärkt auftreten, konnte er aber auch nicht erklären. „Wir müssen jetzt einfach abwarten“, sagt er. Meinhards Bürgermeister Gerhold Brill ist besorgt, denn er hatte gehofft, dass vor allem die umfangreiche und teure Kanalsanierung in Schwebda Besserung bringen würde. „Da haben ja auch die Anwohner viel Geld in neue Anschlüsse investiert“, sagt Brill. Gebracht hat dies offenbar nichts. Quasi über Nacht ist der See gekippt.

Kioskbetreiber Frank Kinzel berichtet, dass es bereits am Wochenende schlimme Probleme mit den Algen gab und deshalb mehrere Touristen, die auf dem dortigen Zeltplatz Urlaub machen wollten, wieder abgereist seien. „Drei Mal sind allein an diesem Wochenende Gäste wieder abgereist“, erzählt er. Allgemein komme die Algenbelastung zu einem unglaublich schlechten Zeitpunkt für ihn.

„Im vergangenen Jahr war es erst nach den Sommerferien schlimm mit den Algen, aber jetzt sind ja noch drei Wochen Ferien“, sagt er. Und die fehlenden Einnahmen merke er, vor allem da wegen des kühlen Wetters sowieso weniger los sei. „Die Situation ist für uns ganz schlecht“, sagt er. Andrea Seebon aus Uder im Eichsfeld ist mit ihrer Familie für einen Tagesausflug an den Werratalsee bei Schwebda gekommen. „Wir sind öfter hier, das ist wie ein Kurzurlaub“, sagt sie. Doch der stinkende, grüne See wirkt auf die junge Familie eher abschreckend.

Auch Brill macht sich Sorgen um den Tourismus, aber vor allem um die Kinder in Meinhard, die nun nicht im See baden könnten. Momentan ist zwar kein Badewetter, aber er geht davon aus, dass die Algen so schnell nicht verschwinden.

Neben den Algen gibt es am See noch ein zweites großes Problem: Nilgänse. „Neueste Zählungen kommen auf 600 Gänse, die sich hier niedergelassen haben“, sagt Brill. Und die bringen vor allem eins mit: Dreck. „Da will sich dann auch keiner auf die Wiese legen“, sagt Brill. Die Gemeinde Meinhard versucht nun der Lage Herr zu werden und hat bereits ein Krisengespräch mit Jagdpächtern, Umweltschützern und Ornithologen geführt und prüft derzeit alle Möglichkeiten von der Bejagung bis zum Austausch der Gelege. „Das ist aber alles nicht so einfach, denn bejagt werden dürfen die Gänse nur zu bestimmten Jahreszeiten und die Gelege sind vorwiegend auf den drei Inseln“, sagt Brill.

Die Gemeinde habe zudem keinen finanziellen Spielraum. „Jede Personalstunde die wir hier am See einsetzen fehlt dann für andere Arbeiten in den sieben Ortsteilen“, sagt Brill deutlich. Dennoch werde er weiter an einer Lösung arbeiten, um das Erholungsgebiet attraktiv zu halten.

Von Diana Rissmann

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